Stendal l In Sachen Unterbringung und Betreuung von Flüchtlingen hat sich die Situation im Landkreis binnen eines Jahres entspannt. So ließe sich die Quintessenz des Berichtes zusammenfassen, den Jacqueline Krehl, zuständige Sachgebietsleiterin der Kreisverwaltung, den Mitgliedern des kreislichen Sozialausschusses gab, der am Mittwoch in der Gemeinschaftsunterkunft am Möringer Weg tagte.

Waren Anfang 2016 mehr als 500 Flüchtlinge dort untergebracht, sind es mittlerweile noch 157. Damals lebten viele Familien in dem Fünfgeschosser am westlichen Stadtrand von Stendal, heute sind es fast nur noch alleinreisende Männer. Probleme gebe es keine, weder mit den Bewohnern noch untereinander, noch „von außen“, antwortete Jacqueline Krehl auf eine entsprechende Frage aus der Sitzung heraus.

Drei Hauseingänge des Wohnblocks sind nicht belegt. In den dortigen Wohnungen sind die Heizungen frostfrei geschaltet, der Strom bis auf die Notbeleuchtung aus. Eine Sparmaßnahme des Landkreises.

Zehn Sozialarbeiter übernehmen Betreuung

Damit leben derzeit mehr als 85 Prozent der 1148 Flüchtlinge, die durch den Landkreis betreut werden, in Wohnungen. 118 Wohnungen hat der Landkreis angemietet. Sie sind nun das Zuhause von 518 Flüchtlingen. 475 Personen leben in privat angemieteten Wohnungen. Betreut werden sie ebenso wie die in den Landkreiswohnungen, in der Stendaler Gemeinschaftsunterkunft und im Osterburger Übergangsheim, in dem derzeit noch 29 Personen untergebracht sind, von insgesamt zehn Sozialarbeiterinnen, zwei Flüchtlingsmitarbeitern der Kreisverwaltung und zwei Heimleitern.

Drei freiwillige Ausreisen von Flüchtlingen gab es in diesem Jahr im Landkreis – alle nach Tschetschenien –, Abschiebungen noch keine. Auch wenn die Zahl der Flüchtlinge sinkt, bedeutet das nicht zwingend weniger Arbeit für die Menschen, die sich um sie kümmern. Im Januar wurden dem Landkreis 21 Flüchtlinge zugewiesen, nannte die Sachgebietsleiterin ein Beispiel. 21 Menschen aus acht verschiedenen Nationen. Inder waren darunter, Serben, Iraner, Flüchtlinge aus Eritrea, Niger oder Mali. „Wir brauchten vier Dolmetscher, um uns mit ihnen verständigen zu können. Es wird nicht einfacher.“

Ein Problem, dass von den Ausschussmitgliedern für die Zukunft gesehen wird, könnten nachziehende Familien allein eingereister Flüchtlinge werden. Für diese Familienangehörigen, die per Visa einreisen dürften, ist keinerlei Betreuung vorgesehen, keine Unterstützung bei Behördengängen, keine Hilfen, die Integration erleichtern. Die Mitglieder des Sozialausschusses wollen das im Blick behalten, denn, so Ausschussvorsitzende Christine Paschke: „Da wird man sich was einfallen lassen müssen.“