Langenweddingen l „Es haben sich schon einige Leute bei uns gemeldet und ein paar Sachen sind wir auch schon abgefahren. Aber Konkretes haben wir noch nicht“, erklärt Museumsleiter Dirk Grüner auf Nachfrage. Um die rund 30.000 Ausstellungsstücke ab kommenden Sommer zunächst unterzustellen, gebe es sogar schon mehrere Optionen. „Das ist also abgesichert“, sagt er etwas erleichtert. Doch die Suche nach einem Ort für eine künftige Dauerausstellung laufe weiterhin auf Hochtouren.

Dafür seien schon zahlreiche Angebote bei der museumsbetreibenden Familie eingegangen. Als ein Beispiel nennt Grüner die Gemeinde Obere Aller. „Ein Verwaltungsmitarbeiter aus Eilsleben hat angerufen und Interesse bekundet. Die können sich wohl ein DDR-Museum in einer ehemaligen Kaufhalle vorstellen. Das würde ja auch gut zum Grenzdenkmal passen“, sagt der Ostalgie-Chef. Auch das Bördemuseum in der Burg Ummendorf habe sich gemeldet sowie die Stadtverwaltung von Egeln. „Der Bürgermeister könnte sich das Ostalgie-Kabinett in einer ehemaligen Schule vorstellen“, berichtet Grüner.

Museum muss Kita-Neubau weichen

So dankbar er auch für die vielen Hilfsangebote ist, richtig zufrieden sind er und seine Eltern noch nicht. „Wie soll ich das Museum dann leiten? Ich arbeite in Magdeburg und wohne in Langenweddingen. Völlig aus der Hand geben möchte ich unsere Sammlung eigentlich nicht“, sagt er. Die Ideen und Angebote seien jedoch nicht vom Tisch, „wir müssen dann aber gemeinsam nach Konzepten suchen und Ideen finden.“

Auch Gemeindebürgermeister Jörg Methner (SPD) habe sich eingeschaltet und stehe den Grüners helfend zur Seite. Und Ortsbürgermeisterin Jutta Spurek habe die Kontaktdaten von Immobilieneigentümern weitergeleitet, in denen das Ostalgie-Kabinett künftig eventuell unterkommen könnte. „Ein Gebäude wäre in Langenweddingen. Doch nach den ersten Eindrücken müsste hier viel Geld für die Sanierung in die Hand genommen werden“, schränkt Grüner ein.

Ende Januar wurde bekannt, dass jenes Gebäude, welches seit dem Jahr 2004 das Ostalgie-Kabinett in Langenweddingen beherbergt, abgerissen werden muss. Das gemeindeeigene Haus weicht einem Kita-Ersatzneubau, welches mit Stark-III-Mitteln gefördert wird. Laut den Plänen sollen Ende 2018 die Bauarbeiten beginnen.

Wiederaufbau wird nicht leicht

Doch noch sind sie alle hier vereint: das „Action“-Haarspray, die Wisent-Jeanshose, „Essengeldturnschuhe“, der Fernseher „Colormat“ und all die anderen Alltagsgegenstände, die das Leben in der DDR begleiteten. Seit 2003 haben Dirk Grüner und seine Eltern Erika und Bernd DDR-Alltagsgegenstände sowie typische Ost-Produkte gesammelt und sie seit wenig später auf drei Etagen und mehr als 300 Quadratmetern der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Für ihr Engagement zur Dokumentation von Geschichte erhielten sie im Jahr 2010 sogar die „Ehrennadel des Landes Sachsen-Anhalt“. Bisher haben die Grüners etwa 30 000 Exponate gesammelt.

Sollte denn tatsächlich ein neues Quartier gefunden werden, wird das Aufbauen einer neuen Schau nicht einfach. „Dessen muss man sich bewusst sein“, betont der Museums-Chef. Das Ostalgie-Kabinett sei immerhin in 13 Jahren gewachsen. „Der Wiederaufbau wird richtig viel Zeit verschlingen“, ist sich der Museumsbetreiber sicher. „Ich gehe nicht davon aus, dass wir in den kommenden Wochen etwas dingfest machen werden.“

Zusammenarbeit mit Partnern denkbar

Dennoch freuen sich Erika, Bernd und Dirk Grüner über das große Interesse an ihrer einmaligen Sammlung. „Wir haben festgestellt, dass die Leute sehr engagiert sind und tatsächlich helfen wollen. Die wissen, dass es ein Jammer wäre, wenn die Sammlung sterben würde“, sagt Grüner und dankt den vielen Interessierten. Sogar Kaufangebote seien schon eingegangen. So habe ein Mitarbeiter des DDR-Museums in Berlin Mitte angerufen „und starkes Interesse bekundet“.

Zwar betreiben die Grüners ihr DDR-Museum aus einem Hobby heraus, könnten sich jedoch durchaus mehr Professionalität vorstellen. „Wenn man das richtig macht, kann damit auch seinen Lebensunterhalt verdienen“, ist sich Dirk Grüner sicher. Deshalb könne er sich Magdeburg als künftigen Standort für das Ostalgie-Kabinett gut vorstellen. „Wo auch immer unser Museum später stehen soll: Ich freue mich schon jetzt darauf, die Exponate zur Verfügung zu stellen und gemeinsam mit einem Partner am Konzept feilen zu können.“ Kontakt: Ostalgie-Kabinett: 0179-799 43 64 oder ostalgie-kabinett@t-online.de

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