Osterweddingen l Freileitungsmonteure müssen harte Kerle sein. Bei Wind und Wetter sowie eisigen Temperaturen sind die Männer in der dicken Arbeitsbekleidung und mit den orangefarbigen Schutzhelmen auf den Köpfen zurzeit bei ihrem Kletterballett hoch oben auf den Stahlgittermasten einer Stromfreileitung zu beobachten, die zwischen Osterweddingen und Langenweddingen auf einem Acker im Sülzetal verläuft.

Der Netzbetreiber 50Hertz mit Sitz in Berlin demontiert derzeit im Raum Magdeburg und damit auch auf dem Gebiet der Einheitsgemeinde Sülzetal bis März 2017 zwei ausgediente Höchstspannungsleitungen. Joachim Löbe, der Leiter Projekte Freileitungen bei 50Hertz, sagt dazu: „Wenn wir fertig sind, wird es so aussehen, als wären wir nie da gewesen. Dass wir das Stromnetz wegen der Energiewende an vielen Orten ausbauen, ist bekannt und mancherorts sichtbar. Dass wir aber auch Infrastruktur zur Entlastung des Landschaftsbildes abbauen, wenn sie nicht mehr benötigt wird, wissen nur wenige.“

Material wird recyclet

Die beiden Stromtrassen zwischen den Umspannwerken Magdeburg-Diesdorf und Förderstedt (Salzlandkreis) stammen aus den 1930er und den 1960er Jahren und wurden mit einer Spannung von 220 Kilovolt (kV) betrieben. Auf einer Gesamtstrecke von 56 Kilometern nehmen Freileitungsmonteure seit Oktober 2016 die Leiter- und Erdseile von den Masten und demontieren anschließend 155 Maste und Gründungen. Die Seile werden auf Trommeln aufgewickelt, die Maste in transportfähige Stücke zerkleinert. „Alle Bauteile werden abtransportiert und die Materialien entsprechend des Kreislaufwirtschaftsgesetzes verwertet“, sagt Siegfried Wagner, Pressesprecher von 50Hertz.

Die beiden 220-kV-Leitungen werden nicht mehr benötigt, weil 2014 das Umspannwerk Förderstedt und seine Anschlussleitung an die 380-kV-Höchstspannungsleitung von Wolmirstedt im Landkreis Börde nach Ragow (nahe Lübbenau in Brandenburg) in Betrieb gegangen sind.

Über dieses Umspannwerk gelangt Strom aus zahlreichen leistungsfähigen Windkraftanlagen südlich von Magdeburg über das Verteilnetz der Avacon AG Helmstedt in das Übertragungsnetz von 50Hertz.

50Hertz sorgt für den Betrieb, die Instandhaltung, die Planung und den Ausbau des 380/220-Kilovolt-Übertragungsnetzes im Norden und Osten Deutschlands. Das Netz erstreckt sich nach Angaben des Berliner Unternehmens über einer Fläche von 109 360 Quadratkilometern und hat eine Länge von etwa 10 000 Kilometern. An acht Standorten kümmern sich die Mitarbeiter des Netzbetreibers darum, dass für mehr als 18 Millionen Menschen in den Bundesländern Berlin, Brandenburg, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Schleswig-Holstein, Sachsen-Anhalt und Thüringen jederzeit Elektrizität verfügbar ist.