Wernigerode l Die Archäologen haben weitere interessante Relikte zwischen Breiter Straße und Brandgasse ausgegraben. Zahlreiche Schaulustige haben am Donnerstagvormittag verfolgt, wie die Experten vom Landesamt für Denkmalpflege ein Kellergewölbe freilegten.

„Es gehört vermutlich zur Breiten Straße Nummer 65“, informiert Matthias Sopp auf Volksstimme-Nachfrage. Das Gewölbe sei fast intakt. Zum Anfang des 20. Jahrhunderts habe ein Uhrmacher in dem Gebäude sein Geschäft gehabt, so Sopp. Vier Gebäude hätten damals auf dem Gelände gestanden, das heute Freifläche ist und auf dem im kommenden Jahr ein Wohn- und Geschäftshaus entsteht. Die Gebäude wurden beim Bombenangriff am 22. Februar 1944 teilweise beschädigt, das Haus Nummer 63 wurde sogar komplett zerstört. Das Trümmerfeld wurde später geräumt, die Nachbarhäuser in den Jahren darauf abgerissen.

Zweiter Brunnen gefunden

Mit Bagger und Schaufel fördern die Männer nun Stück für Stück die Keller der einstigen Bebauung ans Tageslicht. Vor einigen Tagen wurde bereits ein fünf mal zwölf Meter großer Keller mit Tonnengewölbe aus dem Spätmittelalter entdeckt. Darin verbargen sich unter einer Steintreppe die Überreste eines alten Brunnens. „Wir haben inzwischen einen weiteren gefunden“, sagt Sopp. Es sei anzunehmen, dass die Brunnen bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts genutzt wurden. Um 1900 wurden Wasserleitung in Wernigerodes Innenstadt verlegt. „Wie tief der Brunnen einst war, lässt sich schwer sagen“, so der Experte. Die Höhe des Grundwasserspiegels könnte Aufschluss geben.

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Sopp geht davon aus, dass die Bebauung zu der Zeit, in der die Keller angelegt wurden, anders aussah, als wie man sie heute von Wernigerode kennt. „Keine kleinen Fachwerkhäuser. Das müssen stattliche Gebäude gewesen sein, wenn sie so eine große Unterkellerung hatten.“

Wohin der unterirdische Gang führt, den die Archäologen freigelegt haben, ist übrigens noch nicht geklärt. „Wir haben ein kleines bisschen weiter gegraben“, sagt Matthias Sopp. „Er geht nicht nach unten, sondern zwei Stufen nach oben.“ Viel weiter können sich die Männer nicht vorarbeiten, weil Einsturzgefahr besteht. Könnte es sich dabei wirklich um einen Tunnel zum Schloss handeln, wie einige Wernigeröder vermuten? Matthias Sopp lacht und schüttelt den Kopf. „Ich weiß nicht, warum die Leute immer denken, es würden geheime Gänge zum Schloss oder zur Kirche führen.“ Das Geheimnis wird bei diesen Grabungen wohl nicht mehr gelüftet werden. Nachdem die Archäologen ihre Funde dokumentiert haben, werden die Hohlräume wieder verfüllt, damit der Hausbau starten kann.