Wernigerode l Elsa und Annie lassen vorsichtig die flüssige Schokolade vom Löffel in die leere Pralinenschachtel fließen. „Gesunde Süßigkeiten“ sind das Thema des Workshops, den das Familienzentrums anbietet „Statt Zucker nehmen wir Honig für die Schokolade“, erklärt Jessica Munzke. Die Frauen in der Küche der Pestalozzi-Schule nicken. In den Räumen des Familienzentrums wäre für dieses Angebot kein Platz. Denn die Einrichtung, die vom Internationalen Bund (IB) geführt wird, platzt gut ein Jahr nach ihrer Gründung aus allen Nähten. Davon haben Leiterin Jessica Munzke und IB-Teamchefin Daniela Puse im Sozialausschuss berichtet.

Drei Räume stehen dem Familienzentrum im Ärztehaus in der Ernst-Pörner-Straße zur Verfügung – ein Büro, ein Spielzimmer und ein Raum, der zum Beispiel für Beratungen, Bastelangebote und den Seniorentreff dient. Nicht viel für die 4114 Menschen, die zwischen August 2016 und Oktober 2017 die 40 Angebote und Veranstaltungen des Familienzentrums besucht haben. „Die Teilnehmer stammen von überall her – aus dem gesamten Stadtgebiet, aber auch aus Ilsenburg und Goslar“, berichtet Daniela Puse.

Einzigartige Angebote

Das liege daran, dass manche Angebote in der Region einzigartig seien. „Deshalb kommen die Leute auch von weiter her zu uns.“ Zugleich nutzen viele Besucher aus den Wohngebieten Stadtfeld und Burgbreite das Zentrum – neben Familien auch Senioren, die nicht mehr gut zu Fuß sind und denen der Weg ins Familien- und Seniorenhaus in der Steingrube zu weit ist.

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Nicht nur die Mitarbeiterinnen selbst planen Veranstaltungen. 39 Partner sind mit im Boot – vom Kinderschutzbund über das Harzklinikum, die Lebenshilfe, die Johannisgemeinde, mehrere Schulen und Kindertagesstätten bis hin zur Stadtjugendpflege, Gesellschaft für Sozialeinrichtungen (GSW) und die Wernigeröder Wohnungsgenossenschaft (WWG). Darüber hinaus wirken zahlreiche Ehrenamtliche mit – lesen Märchen vor, malen und basteln mit Kindern. Der Terminkalender des Zentrums ist täglich spätestens ab 9 Uhr bis mindestens 17 Uhr gefüllt.

Kapazitäten begrenzt

Der große Zuspruch ist erfreulich, stellt die Mitarbeiterinnen aber vor Probleme. „Wir sind an unsere Kapazitätsgrenzen gestoßen“, sagt Daniela Puse. Manche Interessenten mussten mangels Platz wieder nach Hause geschickt werden. Mittlerweile werde für manche Angebote wie die „Kunterbunte Schatzkiste“ nicht mehr geworben – aus Angst davor, überrannt zu werden.

Wo es möglich ist, weichen die Mitarbeiterinnen auf Räume von Partnern in der Umgebung aus. Das Familienzentrum ist Stammgast im Seniorentreff der GSW im Walther-Grosse-Ring, in der Stadtfeld-Grundschule und in der Pestalozzi-Schule, wo zum Beispiel der Süßigkeiten-Workshop stattfindet – in zweiter Auflage, weil beim ersten Mal zu viele Anmeldungen eingegangen sind. „Wir sind sehr dankbar, dass wir unkompliziert die Schulküche nutzen dürfen, wenn sie frei ist“, sagt Jessica Munzke.

Viel Lob

Doch das Hin- und Herwandern hat Nachteile. Material muss transportiert werden, und in der Zeit, die die Mitarbeiterinnen anderswo sind, bleibt das Zentrum verwaist.„Wir bräuchten auf jeden Fall eine Küche und einen offenen Bereich, in dem sich Familien abseits der Angebote und Beratungen begegnen können“, sagt Jessica Munzke auf Volksstimme-Nachfrage. Nötig wäre außerdem ein größerer Bewegungsraum, in dem Kurse für Senioren und Familien stattfinden können.

Im Ausschuss erhielten die Mitarbeiterinnen viel Lob für ihre Arbeit. Dass das Familienzentrum gut ankommt, bestätigte Sabine Wetzel. „Die Eltern im Umkreis sind sehr dankbar. In der Schule hören wir das immer wieder“, sagt die bündnisgrüne Kommunalpolitikerin, die als Grundschullehrerin im Stadtfeld arbeitet. „Man kann dorthin kommen, wann man will, es ist immer knackevoll“, sagte CDU-Stadtrat André Weber. Als Vorsitzender des Kinderschutzbundes, der Tür an Tür mit dem Familienzentrum seinen Sitz hat, beobachtet er den Betrieb mit viel Sympathie, stellt aber auch fest: „Die Räumlichkeiten sind für diese Nutzerzahlen nicht mehr zureichend.“ Es sei angebracht, über eine Erweiterung nachzudenken.