Silstedt l Aus allen Himmelsrichtungen strömen Menschen – zu Fuß, mit dem Fahrrad und Auto herbei. Ziel ist das Betriebsgelände der Agrargenossenschaft Vorharz in Silstedt. Dort, wo Verwaltung und Biogasanlage ihren Platz haben, wird Hoffest gefeiert. Obendrein gibt es einen Einblick in die moderne Landwirtschaft, der in dieser Bandbreite wie am Sonnabend nur selten geboten wird.

Schon am Eingang kommen die Besucher ins Staunen. Traktoren, Ernte- und Feldbearbeitungsmaschinen „werden immer größer“, stellt ein Ehepaar fest, während die Enkel in das Führerhaus eines Mähdreschers klettern dürfen. „10,50 Meter lang ist das Schneidwerk“, erläutert Hartmut Bollmann. Er ist Agrartechnicker und gibt, wie seine anderen Kollegen auch, den Gästen gern Auskunft – zum Düngerstreuer, Häcksler, zur Strohballenpresse, Feldspritze, zum Heuwender und Schwader. Beeindruckend ist die Arbeitsbreite einiger Maschinen. „Früher lagen sie bei fünf, sechs Metern, heute sind wir bei 24 und 36 Meter angekommen“, sagt Hartmut Bollmann. Die kleineren Erntemaschinen sind Ausstellungsstücke der benachbarten Saatzuchtfirma.

Alte Traktoren und moderne Landwirtschaft

Zum Vergleich, wie fortgeschritten und modern die Landwirtschaft heute ist, sind alte Traktoren samt Erntetechnik zur Schau gestellt. Hier fachsimpeln vor allem die älteren Besucher, viele waren einst selbst in der Landwirtschaft tätig. Das gilt auch für den Stand in der großen Scheune, wo gebuttert wird wie zu Omas Zeiten. Edith Ahlers erläutert und packt tüchtig zu. Dass die Frau 85 Jahre ist, kaum zu glauben. Ihr zur Hand geht Renate Ahrend, während Dieter Müller die Butterstückchen verpackt. Zum Trio vom Museumshof „Ernst Koch“ gehört Hans-Jörg Fiebig, der frisch zubereitete Buttermilch zur Verkostung anbietet. Sie schmeckt, die Kundschaft ist voll des Lobes. „Ja, die Milch macht’s“, sagt Fiebig und liegt damit richtig.

Seit dem Frühjahr sorgt die Agrargenossenschaft Sil-stedt-Benzingerode in Sachen Milch für positive Schlagzeilen. Der Absatz an den beiden Milchtankstellen in Edeka-Märkten in Wernigerode und Halberstadt hat die Erwartungen übertroffen. So ist es nicht verwunderlich, dass der zum Hoffest präsentierte Automat stets dicht umringt ist.

Jens Friedrich erläutert Neugierigen die Handhabung, während andere ohne Hilfe problemlos den Automaten bedienen. „Wir kaufen jede Woche frische Milch von der Tankstelle in Wernigerode“, sagt Dietmar Abel. Mit Ehefrau Ganchimeg und Tochter Käthe Loreen ist er aus Darlingerode gekommen und freut sich, dass es den Liter Milch zum Fest zum Sonderpreis gibt.

Neue Automaten aus Italien

Gerade noch rechtzeitig werden die drei neuen Automaten aus Italien geliefert. Die präsentierte Tankstelle ist für Goslar bestimmt, die beiden anderen sollen in Harlingerode und Blankenburg aufgestellt werden. Vielfach Anerkennung für diese Idee erhält Jörg Weidemann, Chef der Agrargenossenschaft Vorharz. Geladene Landverpächter, Kooperationspartner und Vertreter von Verbänden gratulieren. „Das Konzept begeistert mich. Es ist genau der richtige Weg zum Verbraucher und zu mehr Wertschöpfung“, sagt Matthias Löber von der Rinderallianz.

Während die Milch auf dem Hof frisch gezapft wird, stehen einige 100 Meter entfernt im Dorf die Tiere im Kuhstall vor dem Melkkarussell Schlange. Dort führt Cornelia Wilke die Besucher-Gruppen, die bequem mit dem Planwagen von Klaus Meyer angereist sind. „Hier beginnt der Kreislauf der guten Milch“, stellt Helga Sauer fest und bedankt sich für den interessanten Einblick in die Landwirtschaft.

Bei den Partnern, die zum Gelingen des Hoffestes beitragen, bedankt sich zum Abschluss Jörg Weidemann. Das sind unter anderem Erlebnisbauernhof aus Blankenburg, Feuerwehr, Museumshof, Jagdgenossenschaft und Rassegeflügelzüchter sowie Obsthändler Ernst Krotegaß. Seite 17