Wernigerode l Harte Worte aus Braunlage: Auf den geplanten Pisten am Schierker Winterberg würden sich Skifahrer langweilen, die etwas drauf haben. Die Abfahrten seien zu flach und zu leicht, so Dirk Nüsse. „Da müssen sie den Schlittschuhschritt beherrschen, wenn sie die Talstation in Schierke erreichen wollen“, sagte der Betriebsleiter der Wurmbergseilbahn laut Goslarscher Zeitung am Montagabend in einer Ausschussitzung in Braunlage. Weil das Skigebiet am Winterberg nicht attraktiv genug sei, wollten demnach die Seilbahnbetreiber vom Wurmberg nicht mit der Winterberg Schierke GmbH zusammenarbeiten. Die Investoren planen den Bau einer Seilbahn. Zum vorgesehenen Ganzjahresprojekt gehören Skipisten und künstliche Beschneiung.

Die Motive der Betreiber der Wurmberg-Seilbahn seien wirtschaftlich begründet, sagt Braunlages Bürgermeister Stefan Grote (SPD) auf Volksstimme-Nachfrage. Sie glaubten schlicht nicht an den Erfolg des geplanten Skigebiets. Der Grund: „Für etwas bessere Fahrer bietet es keinen Anreiz“, fasst Grote zusammen. Bei einer „Fläche, die ein Gefälle hat wie die Rathauswiese“ in Braunlage, sei zu erwarten, dass die meisten Skifahrer die Westpisten nutzen. Die Schierker Seilbahn werde lediglich ein Zubringer für Gäste sein, die ihre Autos bequem im Parkhaus Am Winterbergtor abstellen und die Seilbahn nehmen, um dann in Richtung Niedersachsen abzufahren.

Lange Schlangen am Lift

Daran haben die Betreiber des bestehenden Skigebiets jedoch kein Interesse. „Der Berg kann die Massen von unserer Seite nicht mehr aufnehmen“, so Grote. Bereits jetzt müssten Gäste zu Spitzenzeiten mehr als eine Stunde auf Lift und Seilbahn warten. „Es wäre dringend nötig, dass sich die Skifahrer auf neue Pisten verteilen.“ Da aber attraktivere Abfahrten auf der Ostseite von Großem und Kleinem Winterberg aus Naturschutzgründen nicht erschlossen werden können, werde die neue Seilbahn die Situation in Braunlage eher verschärfen als entspannen.

Marcus Gross, Geschäftsführer der Wurmberg-Seilbahn will sich auf Volksstimme-Nachfrage nicht äußern, bestreitet die Darstellung Grotes jedoch nicht. „Offiziell möchten wir uns erst nach der Stadtratssitzung am kommenden Mittwoch zu Wort melden“, so Gross. Betriebsleiter Dirk Nüsse war für Nachfragen am Mittwoch nicht zu erreichen.

Im Rat steht der geplante Vertrag zwischen Wernigerode und Braunlage auf der Tagesordnung. Mit der Vereinbarung hatten die Städte ihre Zusammenarbeit regeln wollen. Ein Ziel war, die Seilbahnbetreiber dazu zu bringen, ein Kombi-Ticket für Seilbahnen und Lifte in Ost und West anzubieten – ein Ansinnen, das erledigt scheint, weil die Braunlager Preissteigerungen befürchten. Das gilt auch für den Vertrag insgesamt: Der Wernigeröder Stadtrat hat der Vereinbarung zwar bereits im April seinen Segen erteilt, doch eine Zustimmung aus Braunlage ist nach mehreren Verzögerungen und der aktuellen Diskussion wohl endgültig vom Tisch. „Es gibt dafür keine Mehrheit im Rat“, sagt Bürgermeister Grote. Er persönlich bedauere dies. „Das bedeutet aber nicht, dass wir nicht gut mit Wernigerode zusammenarbeiten wollen.“

Gemeinsam Probleme regeln

Das sei nötig, sagt Andreas Meling, Schierke-Beauftragter der Wernigeröder Stadtverwaltung. Die Zusammenarbeit der Seilbahn-Betreiber sei nicht das einzige, was im Hausaufgabenheft stehe. „Wir haben genug Probleme, die wir gemeinsam regeln müssen“, sagt Meling – Verkehrsfragen zum Beispiel, gemeinsame Werbung für Veranstaltungen, die Kooperation der Touristiker. Klar sei, dass man einander brauche. „Es geht um eine gemeinsame Berg-Entwicklung. Dafür ist es notwendig, miteinander zu reden“, so Meling. Die Städte könnten den Unternehmen dabei durchaus Vorgaben machen. Dass die Braunlager Kommunalpolitiker einen Vertrag verwerfen, der „butterweich“ und noch mit Leben zu erfüllen sei, verstehe er nicht.

Von den Zweifeln am Erfolg des Schierker Projekts zeigte sich Meling überrascht. Die Westharzer seien von Beginn an in die Planungen eingebunden, hätten sich aber bisher mit Kritik zurückgehalten. Mit zusätzlich 20 Hektar, die künftig von Wintersportlern genutzt werden sollen, würde die Westseite des Wurmbergs sehr wohl entlastet – zum Vergleich: Das Braunlager Skigebiet umfasst 40 Hektar. Den Vorstoß sieht Meling als vorübergehende Episode. „Das ist das Muskelspiel zweier Unternehmen.“

Gerhard Bürger von der Winterberg Schierke GmbH war am Mittwoch auf Auslandsreise und nicht für die Volksstimme zu sprechen. Aus seinem Büro heißt es aber, dass Meling auch im Namen der Investoren spreche. Der Schierke-Beauftragte glaubt, dass sich die Seilbahnbetreiber früher oder später einigen werden. Jetzt müssten die Westharzer Initiative zeigen. „Der Ball liegt eindeutig im Feld von Braunlage.“