Wernigerode l Luther zieht – auch nach einem langen Jubiläumsjahr. Die Bänke der Wernigeröder Liebfrauenkirche waren am Dienstagnachmittag voll besetzt – und das, während sich in der Innenstadt Menschenmassen um die Stände des Schokoladenfestivals drängten. Rund 80 Mitwirkende haben ein Musical gezeigt, das Leben und Wirken des Reformators beschreibt.

Die Aufführung im Gottesdienst zum Reformationstag ist Teil einer Festwoche, die die evangelischen Kirchengemeinden der Stadt gemeinsam auf die Beine stellen. Bereits am Sonntag sind im Stadtgottesdienst in der Johanniskirche die Ergebnisse des Projektes „Neue Thesen aus Wernigerode“ vorgestellt worden. Seit Jahresbeginn sind mehr als 95 Thesen gesammelt worden. Genau 208 Kinder, Jugenldiche und Erwachsene haben ihre Gedanken zu Gott, der Welt und ihrer Heimatstadt aufgeschrieben. „Sie haben damit ein Bekenntnis der Hoffnung und Zuversicht abgelegt“, so Pfarrerin Heide Liebold.

Viele Thesenschreiber wünschen sich Frieden für die Welt, sorgen sich um den Schutz der Umwelt und das Wohl der Mitmenschen. „Wenn jemand anklopft, um Hilfe und Schutz zu suchen, dann öffnet die Tür und lasst die Angst und Vorurteile nicht in euer Herz“, schrieb Stadtratspräsident Uwe-Friedrich Albrecht (CDU). Der Harzer Landrat Martin Skiebe (CDU) appellierte, die Menschen mit ihren Ängsten und Fragen ernstzunehmen.

Oberbürgermeister Peter Gaffert (parteilos) erläuterte im Gottesdienst seine These: „Wenn das Alte gut scheint, braucht es Mut zu Neuem.“ Obwohl es der Stadt gut gehe, müsse man an die Zukunft denken und das „Gemeinwesen fit machen“. Dazu zitierte er Luther: „Wenn der Bürgermeister seine Pflicht tut, werden kaum vier da sein, die ihn mögen.“

Am Sonnabend, 4. November, 19.30 Uhr, findet in der Sylvestrkirche ein Festkonzert zum Lutherjubiläum statt.