Wernigerode l Wird die Liebfrauenkirche nun durch Spenden statt Geld aus der Stadtkasse zur Kulturkirche umgebaut? Nach der Kritik von Lokalpolitikern und Wernigerödern am möglichen städtischen Anteil des Millionen-Projektes geht Rainer Schulze nun mit Steinpatenschaften in die Offensive.

Die Idee des SPD-Stadtrates: und Stiftungschef: Für 50 Euro können Interessierte einen Stein der Liebfrauenkirche kaufen, um den Umbau des Gotteshauses zum Konzertsaal mitzufinanzieren. „Jeder Stein erhält eine Nummer und wird nur einmal vergeben“ wirbt der Wernigeröder für das Projekt.

„Das ist keine Reaktion auf die Aufregung über die Kosten – wir hatten die Spendenaktion schon vorher im Sinn“, sagt Schulze. Aber da das Thema offenbar viele Wernigeröder bewege, sehe er einen guten Ansatzpunkt für die Steinpatenschaften.

Kulturstiftung braucht eine Million Euro

Die Kulturstiftung hatte das Gotteshaus im Januar von der Kirchgemeinde St. Sylvestri und Liebfrauen abgekauft. Nach Willen der Stiftung soll die Kirche nun zu einem Konzertsaal mit 500 Plätzen umgebaut werden. „Das Philharmonische Kammerorchester wird dort seinen ständigen Sitz haben und neben vielen Konzerten auch öffentliche Proben anbieten“, so Rainer Schulzes Vision.

Dazu sollen Chöre und Musikschulen im rund 800 Jahre alten Gemäuer auftreten. Musikalische Höhepunkte in der bunten Stadt am Harz wie der Brahms-Chorwettbewerb, die Landeschortage und der internationale Klavierwettbewerb „werden davon profitieren“, verspricht der Wernigeröder.

Umbau kostet fünf Millionen

Problem: Der Umbau der Kirche soll etwa fünf Millionen Euro kosten. Rund vier Millionen könnte die private Stiftung über ein Förderprogramm des Landes Sachsen-Anhalt decken. Auf Schulzes Ansinnen, die Stadt möge die restliche Million stellen, gab es in den Fachausschüssen ein geteiltes Echo. Einige Stadträte und Mitarbeiter der Verwaltung stellten die Finanzierbarkeit des Projektes in Frage – angesichts der angespannten Hauhaltssituation der Stadt und dringend nötiger Investitionen in Feuerwehr und Kindertagesstätten. Zudem befürchten viele Einwohner eine Konkurrenz zu städtischen Kultur-Angeboten wie Schierke-Arena oder Marstall.

Er erwarte nicht, dass die Stiftung die benötigte Million durch Steinpaten zusammen bekomme, relativiert Rainer Schulze. „Aber die Spenden können ein Zeichen liefern, ob die Wernigeröder Interesse am Projekt Kulturkirche haben.“ Um Unterstützer für den Umbau zur Konzerthalle zu gewinnen, wirbt der Kulturstiftungschef: „Sie erhalten für die Spende eine Urkunde.“ Ein Bild mit den Steinen und das Spendenbuch sollen später ausgestellt werden, um die Geldgeber zu würdigen.

Spendenkonto der Kulturstiftung Wernigerode: DE98 8105 2000 0309 8002 18 - Stichwort: Liebfrauenkirche. Spendenformulare erhalten Sie in Jüttners Buchhandlung, Westernstraße 10, Wernigerode. Dort können Sie Ihre Spende auch in bar abgeben.