Wernigerode l Wer in einer schwierigen Familie aufwächst, hat es oft schwer – im Leben, in der Schule und später beim Start in den Beruf. „Es kann nicht sein, dass Kinder und Jugendliche aus sozial schwachen Verhältnissen keine Chance haben“, sagt Christin Meise. Die 23-jährige Tourismus-Studentin ist Vorsitzende der Initiative „Rock your life“, die zu einem gleichnamigen, bundesweiten Netzwerk gehört. Studenten der Hochschule Harz in Wernigerode fungieren als Mentoren für Kinder und Jugendliche ein, die Hilfe brauchen, aber bisher nicht bekommen.

„Rock your life“: Übersetzt bedeutet der englische Satz so viel wie „Bewege dein Leben“. Etwas bewegen wollen die rund 30 Mitglieder für Jugendliche, die schlechtere Startchancen haben. Maria Klaes weiß, wie sich das anfühlt. Die 26-Jährige ist zweite Vorsitzende und stammt aus einer sozial schwachen Familie. „Ich hätte früher nie gedacht, dass ich studieren werde“, sagt die angehende Tourismusmanagerin.

Studenten arbeiten als Mentoren

Mangelndes Selbstvertrauen und fehlendes Wissen seien häufige Probleme, weiß Maria Klaes. Dem wollen die 16 Studenten, die als Mentoren arbeiten, entgegenwirken. Jeder betreut einen Schüler, trifft sich regelmäßig mit ihm oder ihr. Was beide unternehmen, ist ihnen freigestellt und ganz unterschiedlich. „Wir sind keine Nachhilfelehrer, sondern eher wie eine große Schwester oder ein großer Bruder“, sagt Christin Meise. „Manche brauchen eine Schulter, an die sie sich anlehnen, und jemanden, mit dem sie reden können“, sagt Maria Klaes. Mancher braucht Hilfe bei der Suche nach einem Praktikum. Und einer war froh, mit jemanden sein Interesse für Opern teilen zu können.

Partner der Studenteninitiative ist die Burgbreite-Schule. Betreut werden Schüler ab Klassenstufe 8, dort stellten sich die Helfer vor. „Wir hatten Zweifel, ob jemand Interesse hat“, so Christin Meise. Völlig ohne Grund: „Die sind so begeistert und glücklich, dass wir das anbieten.“ Die Zahl der Anmeldungen überstieg sogar die Zahl der Mentoren. Schulleiter Wolfgang Kirst lobt das Programm. „Man merkt, dass es den Schülern hilft.“

Schwierig, wenn Eltern nicht mitziehen

Manchmal erleben die Mentoren Rückschläge. „Wenn die Eltern nicht mitziehen, ist es schwierig“, sagt Christin Meise. Sie hat erlebt, dass Eltern ihren Kindern regelrecht Steine in den Weg legen – wie bei einem Jungen, der einen Ausbildungsplatz ergattert hatte. „Da sagte die Mutter: Du machst das nicht, weil uns sonst das Geld gekürzt wird.“ Der Junge trat seine Stelle nicht an.

Ein Dauerthema sind die Finanzen. Für ihre Arbeit brauchen die Studenten pro Jahr rund 8000 Euro, rechnet Anh Bui vor. Die angehende Wirtschaftspsychologin wirbt Spenden für „Rock your life“ ein, von denen die Initiative komplett abhängig ist.

Sponsorenlauf wichtige Hilfe

Eine wichtige Einnahmequelle ist der Sponsorenlauf. 87 Läufer – Schüler, Studenten, Lehrer – haben für „Rock your life“ 1200 Runden zurückgelegt und 2100 Euro eingespielt. Die Motivation war unschlagbar, berichten die drei Studentinnen. „Es gab Schüler, die 45 Minuten durchgelaufen sind.“ Für Kinder, deren Eltern nicht gespendet haben, sind spontan Lehrer eingesprungen.

Weil eine solche Aktion nur einmal pro Jahr möglich ist, sind die Studenten froh über Hilfe von örtlichen Firmen. „Die Unternehmen sind begeistert, weil sie die wenigen Azubis brauchen“, sagt Maria Klaes. Im September verabschieden die Studenten ihre ersten Schützlinge. Zwei Jahre dauert die Mentoren-Beziehung. „Wir hoffen, dass wir miteinander in Kontakt bleiben“, sagt Maria Klaes.