Wernigerode l Es ist eines der meistfotografierten Wahrzeichen der Stadt, nicht zuletzt aufgrund der kunstvoll gestalteten Außenfassade: Das Wernigeröder Rathaus. In der Nacht zum Montag wurde das spätgotische Bauwerk mit roter Farbe beschädigt. Die Tat – wahrscheinlich ein Farbbeutel-Wurf – ereignete sich Polizeisprecher Uwe Becker zufolge zwischen 20 und 5.30 Uhr. Den Schaden schätzen die Beamten auf mehrere 1000 Euro. Die Eingangstür, Zierbalken, das Stadtwappen, die Treppe und die Wand seien beschmutzt worden.

Abstimmung mit Standesamt

„Es ist eine Schweinerei“, sagt Tobias Kascha, der Pressesprecher der Stadtverwaltung. „Wir werden am Dienstag prüfen, ob wir die Fassade und die Tür reinigen können.“ Sei das nicht möglich, werde das Rathaus über der Tür aufwändig eingerüstet werden müssen. „Die Farbe reicht bis knapp unter die erste Fensterreihe. Das bedeutet auch, dass wir uns mit dem Standesamt abstimmen müssen, damit Hochzeiten durch die Arbeiten nicht beeinträchtigt werden“, so Kascha weiter. „Im Wappen ist Blattgold enthalten. Deshalb gestalten sich die Malerarbeiten recht aufwändig. Wir hoffen, dass wir den Schaden in den nächsten zwei Wochen beseitigt haben.“ Die Versicherung sei bereits informiert.

Eine Gruppe Touristen aus Hamburg und Finsterwalde stand am Montag vor dem Haus und zeigte sich empört. „Fürchterlich, wer so etwas macht“, sagte Wolfgang Schochardt aus Finsterwalde. Er besucht zum ersten Mal Wernigerode. Der Urlaub habe ihm bislang sehr gut gefallen, er kehre gerne wieder hierher zurück. Aufgefallen sei ihm bereits am Sonntag, dass das mittlere Feld über der Eingangspforte schlecht lesbar sei – vermutlich aufgrund von vorherigen Schmierereien. Denn bereits im März und zuletzt vor zwei Wochen hatte es Farbattacken auf das Rathaus gegeben.

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Stadträte und Verwaltung entrüstet

Über den Markt ging am Montagvormittag auch Kevin Müller. Das Stadtratsmitglied von der SPD wertet es als „Respektlosigkeit“, die geahndet werden sollte. „Es gibt zahlreiche Wege, um seinen Unmut gegenüber Personen und deren Handeln zum Ausdruck zu bringen“, sagte er. „Das Beschmieren des Rathauses und damit das Beschädigen des Eigentums aller Wernigeröder gehört definitiv nicht dazu.“

Die Ermittlungen gegen Unbekannt dauern derweil an, sagte Polizeisprecher Becker. „Auf gemeinschädliche Sachbeschädigung stehen bis zu drei Jahre Haft“, so der Hauptkommissar. Das sei ein Jahr mehr als für normale Sachbeschädigung.

Tatort gefilmt

Dabei wurde die Tat sogar gefilmt: Der Offene Kanal strahlt während der Sendepausen ein Livebild vom Marktplatz aus. Die Kamera ist am Hotel „Weißer Hirsch“ angebracht, sie filmt den Tatort direkt. „Aber wir dürfen das Video nicht speichern, das verstößt gegen den Datenschutz“, so die Chefin des Offenen Kanals, Petra Zaretzke. „Die Webcam gehört außerdem der Stadt, wir greifen nur das Videosignal ab.“

Auch am Restaurant „XO“ in der Gustav-Petri-Straße, nur wenige Meter vom Rathaus entfernt, wurden eine Mauer und der Gehweg mit Farbe beschmiert. Es ist derselbe Farbton, der nun das Rathaus verunstaltet.

Der Vorfall erinnert an eine Serie aus dem Jahr 2012, als ein der Polizei bekannter Mann mehrere Denkmäler und auch das Neue Rathaus in der Schlachthofstraße mit roter Farbe beschmierte und mit Plakaten beklebte. Damals wurde eine 11 000 Euro teure Granitstele vor der Raabe-Schule beschädigt. Ob der Mann mit den Taten vom Sonntag in Verbindung gebracht wird, ließ die Polizei offen.

Wer in der Nacht zum Montag etwas gesehen hat, wird gebeten, sich unter Telefon (0 39 41) 67 41 93 an Polizeirevier Harz in Halberstadt zu wenden.