Wernigerode l Die Hasseröder kommen nicht zur Ruhe. Die Wildschwein-Plage, die Gartenpächter und Grundstücksbesitzer schon das ganze Jahr über in Atem hält, nimmt kein Ende. Bis zum Westerntor haben sich die Waldtiere inzwischen vorgewagt. Doch vielleicht ist bald Besserung in Sicht. Im Wernigeröder Rathaus wird derzeit geprüft, inwieweit es möglich ist, die Schweine auch im Stadtgebiet zu jagen. Stadtchef Peter Gaffert (parteilos) will dazu mit der Kreisverwaltung in Kontakt treten, um die Möglichkeiten auszuloten. „Wernigerode kann natürlich nicht pauschal zum Jagdgebiet erklärt werden“, sagt Tobias Kascha gegenüber der Volksstimme. „Vielmehr müssten bestimmte Gebiete festgelegt werden, in denen ohne größere Gefahr gejagt werden kann“, so der Chef des Oberbürgermeisterbüros.

Nicht die einzige Hürde: „Wir müssen Jäger finden, die dazu bereit sind“, sagt Kascha. Sich im Stadtgebiet auf die Lauer zu legen und zu schießen, sei sehr riskant. „Es könnte ein Schuss von einem Bordstein oder einer Hauswand abprallen und eine Person treffen.“ Für die Jäger sei dies auch eine Versicherungsfrage. „Wir sind dabei, das zu klären.“ Das gehe zwar nicht von heute auf morgen. „Doch wir sind dran.“

Bisherige Aktionen ohne Erfolg

Für die Hasseröder ist das ein Lichtblick. Denn die Betroffenen fühlen sich zunehmend im Stich gelassen. So hatte die Stadtverwaltung im Juni zwar einen Großeinsatz mit Schreitbagger und Mulcher in der Gartenanlage im Nesseltal organisiert, in der sich die Wildschweine eingenistet hatten. Doch der erhoffte Erfolg stellte sich nicht ein. Statt sich in den Wald zurückzuziehen, gingen die Tiere nach der Aktion in ganz Hasserode auf Stöbertour.

Die Stadt sei nicht zuständig, hieß es immer wieder aus dem Rathaus. Es wurde auf die Treibjagden im Herbst verwiesen. Außerdem wurde den Hobbygärtnern geraten, keine Abfälle auf den Komposthaufen oder hinter den Gartenzaun zu werfen, weil das die Tiere anlocken würde. Für die Hasseröder, die nicht nur mit den Schäden zu kämpfen hatten, sondern gleichzeitig um Leib und Leben fürchteten, waren solche Ratschläge unbefriedigend und wenig hilfreich.

Zu ihnen gehört Barbara Richter, die wie viele Hasseröder seit Juni fast täglich „Besuch“ von den Wildschweinen bekommt. „Ich traue mich nicht mehr raus, ich habe Angst“, sagt die Wernigeröderin. Die Volksstimme-Leserin wohnt nahe dem Netto-Supermarkt in der Friedrichstraße. „Die Tiere biegen die Zäune hoch, machen alles kaputt.“ Dabei gibt es im Garten der Richters eigentlich gar nichts mehr zu fressen. „Es ist nichts mehr da, kein Obst, keine Blumenzwiebel, keine Wiese. Sie haben sich schon alles geholt.“ Das Schlimmste sei, dass die Säue schon wieder trächtig sind, hat Barbara Richter beobachtet. „Dann geht das Ganze von vorn los.“ Auch sie sieht die Risiken einer Jagd im Stadtgebiet. „Aber irgendwie muss man uns doch helfen.“