Wolmirstedt l Kati Sültmann ist seit drei Jahren Notfallseelsorgerin, ein Ehrenamt, das in schweren Stunden hilft und auch sie selbst erfüllt. „Nach einem Einsatz habe ich ein Stück weit das Gefühl, dass ich helfen konnte, weil derjenige nicht alleine war.“ Notfallseelsorger gehen dorthin, wo Menschen Angehörige bei Unfällen oder durch Suizid verloren haben, sind auch bei Großschadenslagen wie Zugunglücken vor Ort.

Sie kommen nach gut 30 Minuten, zusammen mit der Polizei. Die Aufgaben sind klar verteilt: Die Todesnachricht überbringen die Beamten, die Notfallseelsorger bleiben da. Sie begleiten Menschen auf dem Weg vom Hören dieser Schreckensbotschaft bis zum vorsichtigen Verstehen. Das kann drei, vier Stunden dauern.

Schritt für Schritt durch den Notfall

„Menschen reagieren unterschiedlich“, weiß Kati Sültmann, „manche schweigen, manche reden, manche wissen in diesen furchtbaren Momenten nicht, wie man ein Telefon bedient.“ Dann fragen Notfallseelsorger, wen die Betroffenen an ihrer Seite haben möchten, was als nächstes zu bedenken ist, wo Telefonnummern notiert sind.

Sie begleiten Schritt für Schritt und gehen erst, wenn die Zeit dafür gekommen ist. „Ein Zeichen ist“, so weiß Johannes Könitz, „wenn uns ein Kaffee oder Wasser angeboten wird. Dann wissen wir, sie übernehmen wieder.“

Seelsorger müssen Einsätze verarbei

In diesem Jahr wurde das kleine Nord-Bördekreis-Team schon 41 Mal gerufen, im Vorjahr 28 Mal. „Wenn keiner von uns kann und greifbar ist, greifen wir auf das Oschersleber oder Magdeburger Team zurück“, sagt Johannes Könitz.

Besonders schwer sei es, wenn Kinder verunglückt sind. Was für die Eltern kaum auszuhalten ist, geht auch den Helfern an die Nieren. Ihre Eindrücke und Gefühle kommen in den regelmäßigen Teamtreffen der Notfallseelsorger zur Sprache. Die Verarbeitung sei nötig, weil sich sonst so viel auftürmt, dass man es nicht mehr tragen kann, sagt Johannes Könitz. Dann wären auch die Helfer keine Hilfe mehr.