Wolmirstedt l Der Kleingarten als Familienversorger hat ausgedient. Während früher jeder Zentimeter der Parzellen für Obst- und Gemüseanbau genutzt wurde, dient ein Garten heute vor allem der Erholung. Obst und Gemüse wird vor allem aus Überzeugung angebaut, die Kleingärtner schätzen es, wenn Bohnen oder Kartoffeln auf dem Teller aus dem eigenen Garten stammen. Die Kommission des Landeswettbewerbs „Gärten im Städtebau“ hat jedoch noch viel mehr im Sinn.

Vereine sollen sichtbarer werden

„Wir wollen Kleingartenvereine motivieren, in den Städten sichtbarer zu werden, den Bürgern die sinnvolle Freizeitgestaltung im Kleingarten aufzuzeigen“, sagt Landesfachberater Rolf Möhrke. Und das soll mehr sein, als Möhren in Reih und Glied auszusäen.

Im Wettbewerb wird bewertet, ob die Vereine umwelt- oder naturschutzfachliche Projekte und ökologische Strategien verfolgen. Deshalb wollte Rolf Möhrke wissen, ob in der Kleingartensparte „Bergkristall“ Imker arbeiten, Streuobstwiesen oder Biotope angelegt sind. Die Kommission interessierte auch, ob Fachberater unter den Kleingärtnern Tipps geben können, beispielsweise beim Bäumeschneiden. All das gibt es in der Sparte „Bergkristall“ bisher nicht.

Bewertet wird auch, wie die Anlage in den Städtebau eingeordnet ist. Die Sparte „Bergkristall“ liegt direkt neben der Straße der Deutschen Einheit, viele Kleingartennutzer wohnen in diesem Gebiet, die beiden Kitas „Ohrespatzen“ und „Pusteblume“ grenzen direkt an die Gartenzäune. Dennoch gebe es keine näheren Kontakte, räumte Spartenvorsitzender Dietrich Henze ein. Auch über eine Zusammenarbeit mit Senioreneinrichtungen wurde bisher noch nicht nachgedacht.

Gärten zur kreativen Gestaltung

Spartenintern wird einmal im Jahr ein Sommerfest gefeiert, alle zwei Jahre kommen alle Gartenfreunde zur Mitgliederversammlung zusammen. Außerdem bewirtschaften Spätaussiedlerfamilien, syrische Familien und ein Ungar dort Gärten. In der Kleingartensparte „1947“ wurden beim Rundgang vor allem die Tafelgärten thematisiert.

Mit den Bewertungskriterien will der Wettbewerb dem Kleingartenwesen ein anderes Charisma verleihen, weg vom bloßen Einhalten der Vorgaben, hin zur Kleingartensparte als Teil des städtischen Grüns, als Ort der kreativen Gestaltung. Dabei soll die sogenannte Drittelregelung keineswegs aufgehoben werden.

Die verlangt das Bundeskleingartengesetz: Ein Drittel des Gartens sollte dem Nahrungsmittelanbau dienen. Ignorieren Gartennutzer diese Regelung im großen Stil, würde eine Kleingartensparte schnell zum Erholungsgebiet erklärt und der niedrige Pachtzins wäre dahin. Der beträgt in Wolmirstedt sechs Cent pro Quadratmeter, für einen 500 Quadratmeter großen Garten sind somit 30 Euro Pacht im Jahr fällig.

Der Wettbewerb „Gärten im Städtebau“ soll zum Austausch ermutigen und in den Fokus rücken, dass Kommunen im Sinne des städtischen Grüns und der günstigen Wirkung auf das Kleinklima für die Kleingartenanlagen verantwortlich sind. Die Stadt Wolmirstedt weiß darum und beschäftigt sich bereits mit der Zukunft der 18 vorhandenen Sparten, zu denen etwa 900 Gärten gehören. Der Leerstand betrage unter fünf Prozent, weiß Armin Bartz, der Kreisvorsitzende der Kleingärtner. Allerdings ist der Altersdurchschnitt sehr hoch, laut Stadtentwicklungskonzept könnten deshalb im Jahr 2030 sogar 20 bis 30 Prozent leer stehen. In diesem Konzept wird empfohlen, dass langfristig bei Neuverpachtungen darauf geachtet wird, dass zusammenhängende Gartenbereiche sukzessive leerfallen und anderweitig genutzt werden können.

Stadt erstellt Konzept

Daran wird bereits gearbeitet. Im Rathaus wird ein Kleingartenkonzept erstellt, in dem aufgeführt wird, welche Sparten auch in der Zukunft bestehen werden. Dieses Konzept ist Bestandteil des neuen Flächennutzungsplans, erklärt Astrid Eichel. Sie ist im Rathaus unter anderem für Wirtschaftsförderung zuständig und hat dabei geholfen, die Wettbewerbsunterlagen der beiden Sparten „Bergkristall“ und „1947“ zusammenzustellen.

Andere Vereine scheuten den Aufwand, ein Trend, der sich in ganz Sachsen-Anhalt fortsetzt. Aus dem gesamten Bundesland kamen nur zwölf Bewerbungen. Der Wettbewerb ist vom Landesverband der Kleingärtner und dem Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft und Energie ausgelobt. Anfang August werden die Sieger bekanntgegeben.