Zielitz l Ron Chaulet ist kein Jude. Doch das Schicksal der jüdischen Menschen, die in den letzten Tagen des Zweiten Weltkrieges vom Konzentrationslager Bergen-Belsen zur Vernichtung nach Theresienstadt geschickt werden sollten und in Farsleben von den vorrückenden Amerikanern befreit wurden, liegt ihm sehr am Herzen.

„Ich bemühe mich darum, dass in Farsleben ein Denkmal an diese bemerkenswerte Begebenheit erinnert, an die jüdischen Menschen, von denen noch viele nach ihrer Befreiung an Krankheit und Unterernährung starben, an die amerikanischen Soldaten, die sie befreiten und an die Farsleber Bürger, die sich bei ihrer Hilfe mit Typhus ansteckten und ebenfalls schwer erkrankten oder sogar gestorben sind.“

Und Ron Chaulet erzählt eine fast unglaubliche Geschichte, als er begründet, warum er sich so für dieses Vorhaben engagiert.

Intensive Recherchen

Als er im Internet ein Buch über die Befreiung seiner Heimatstadt Limburg durch amerikanische Truppen ersteigert hatte, fand er darin einen Brief. „Darin bedankt sich eine Gina Rapaport, eine der Insassinnen des KZ-Zuges von Farsleben, mit anrührenden Worten bei George Gross, dem Kommandeur der amerikanischen Panzereinheit, für ihre Befreiung.“ Ron Chaulet wollte mehr wissen und stellte umfangreiche Nachforschungen an.

Er fand durch mehrere Zufälle Gina Rapaport, die mittlerweile im polnischen Krakow lebte. Über den Presseoffizier der amerikanischen Einheit, Matt Rosell, bekam er nach aufwändigen Recherchen auch Kontakt zu George Gross.

„Schließlich gelang es mir, beide zu einem Treffen zusammenzuführen“, berichtet der Holländer über eine äußerst emotionale Begegnung der beiden inzwischen sehr betagten Menschen. Sowohl Gina Rapaport, als auch George Gross verstarben nur wenige Monate später.

Emotionale Begegnung

Sehr intensiv mit den Vorgängen um den Farsleber KZ-Zug hat sich auch der Hillersleber Hobbyhistoriker Klaus-Peter Keweloh befasst. „Die Überlebenden aus dem Zug wurden nämlich nach Hillersleben gebracht. Dort mussten viele Bewohner der Häuser auf der ehemaligen Heeresversuchsanstalt umgehend ihre Wohnungen verlassen, um Platz für die Pflege der stark geschwächten Menschen zu schaffen.“

Dennoch verstarben noch viele der ehemaligen KZ-Häftlinge, die auf dem jüdischen Friedhof in Hillersleben ihre letzte Ruhe gefunden haben.

Inge Moritz aus Zielitz war zehn Jahre alt, als der Zug in Farsleben liegen blieb. „Für die Menschen wurde zunächst auf Webers Hof ein Lazarett eingerichtet. Dennoch gab es auch hier noch viele Todesopfer“, erzählt die Zeitzeugin beim Besuch von Ron Chaulet, seinem Begleiter Ferry Knijnenburg und Klaus-Peter Keweloh in ihrer Zielitzer Wohnung. Auf dem Farsleber Friedhof sind 38 Opfer beigesetzt. Auch Farsleber Bürger, die den Zuginsassen helfen wollten, steckten sich mit Thyphus an und verstarben.

Webers Hof wurde zu Lazarett

„Als Mahnung für nachfolgende Generationen und Erinnerung an die Opfer sollte ein Denkmal in Farsleben aufgestellt werden“, hat Ron Chaulet vorgeschlagen. Erste Gespräche dazu habe er bei einem Besuch vor zwei Jahren schon mit Ortsbürgermeister Rolf Knackmuß geführt.

„Erinnert werden soll an die jüdischen Opfer, an die amerikanischen Befreier und an die Farsleber, die bei der Pflege der Menschen ihr Leben riskierten.“ Mittlerweile hat der Holländer über den Rotary-Club Limburg eine Stiftung ins Leben gerufen. „Limburg wurde von derselben amerikanischen Einheit befreit, die am 13. April 1945 auch in Farsleben war“, erzählt Chaulet.

Stiftung gegründet

Für die Finanzierung des geplanten Denkmals, denkbar ist eine schlichte Stele auf dem Farsleber Friedhof, soll ein Spendenkonto eingerichtet werden.

„Außerdem ist eine Internetseite in Arbeit, die an die damaligen Ereignisse erinnern soll. Um die Fotos, die George Gross damals gemacht hat, verwenden zu können, benötigen wir aber noch die Genehmigung des New Yorker Holocaust-Museums“, berichtete der Holländer vom Stand der Vorbereitungen.