Wolmirstedt l Der Wind weht im Norden, deshalb drehen sich vor allem dort die großen Rotoren der Windräder. Immer mehr Energie wird auf diese Weise erzeugt, dazu kommt Strom, der aus Sonnenlicht und Biomasse entsteht. Die großen Industriezentren liegen im Süden des Landes, der Strom soll dorthin als Gleichstrom über ein Erdkabel transportiert werden. Das beginnt in Wolmirstedt und endet im bayerischen Isar bei Landshut. Dieses Erdkabelprojekt wird SuedOstLink genannt.

Der Netzbetreiber „50 Hertz“ ist verantwortlich für die Verlegung bis zur thüringisch-bayerischen Grenze. Am Dienstag gab es im Katharinensaal für Bürger die Möglichkeit, sich über das Erdkabel und seine Begleiterscheinungen zu informieren. 15 Experten standen an verschiedenen Themeninseln Rede und Antwort.

Derzeit werden der konkrete Weg für die Kabeltrasse und ein Platz für den Konverter gesucht. Der Konverter wandelt den Strom, der als Wechselstrom im Wolmirstedter Umspannwerk ankommt, in Gleichstrom, der in das Erdkabel eingespeist wird. Dieser Konverter ist in riesigen Hallen untergebracht, die benötigte Fläche beträgt acht Hektar und muss von großen Schwerlasttransportern anfahrbar sein, da der Konverter aus extrem großen und schweren Teilen besteht. Optimal wäre ein Standort nahe am Umspannwerk. Dort ist bereits die Strom-Infrastruktur vorhanden. Doch mögliche Flächen sind rar.

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Die Experten haben bereits eine sogenannte Weißflächen-Kartierung erledigt. Dafür wurde der Umkreis von zehn Kilometern um Wolmirstedt unter die Lupe genommen. Weißen Flächen der Karte eigenen sich gut für einen Standort des Konverters, gelbe Areale kommen weitestgehend nicht infrage, rote Flächen überhaupt nicht. Auf der Karte dominiert Rot.

Die Suche einer Kabeltrasse gestaltet sich ebenfalls als Herausforderung. Die Luftlinie zwischen Wolmirstedt und Isar bildet als gestrichelte Linie die Grundlage. Möglichst im Nahbereich dieser Linie wird nach bis zu 1000 Meter breiten Trassenkoridoren gesucht. Bisher wurden mehrere Varianten gefunden. Bei der Trassenführung müssen die sogenannten Raumwiderstände berücksichtigt werden. „Wir können das Erdkabel nicht durch Magdeburg legen“, nennt Gesamtprojektleiter Mark Pazmandy ein Beispiel für einen Raumwiderstand, deshalb wird es außen um die Stadt herumgeführt. Auch Naturschutzflächen wie die Salzwiesen bei Sülldorf, Waldgebiete, starke Gefälle oder felsiger Untergrund zwingen das Erdkabel mitunter auf einen Umweg. Autobahnen, der Mittellandkanal oder Rohrleitungen im Boden müssen aufwändig unterquert werden.

„Mit den Hinweisen aus den Infoveranstaltungen werden wir unsere Planung nochmals überarbeiten. Anschließend schlagen wir eine Variante vor, die ab Anfang 2017 von der Bundesnetzagentur geprüft wird“, erklärt 50 Hertz-Projektsprecher Axel Happe. Mit der Genehmigung eines Korridors durch die Bundesnetzagentur wird 2019 gerechnet.

Dann beginnt die Feinarbeit. Innerhalb dieses 1000 Meter breiten Korridors wird der Verlauf des eigentlichen Kabelgrabens festgelegt. Dabei wird noch einmal genau auf jedes Bauwerk, jeden Teich geachtet. Die Suche nach dem genauen Weg für den Kabelgraben wird voraussichtlich bis 2022 in Anspruch nehmen. Es folgt ein Planfeststellungsverfahren, dann beginnt der Bau. 2025 soll der Gleichstrom durch das Erdkabel fließen.

50 Hertz rechnet für den Abschnitt bis zur bayerischen Grenze mit Kosten von 2,5 bis 3 Millionen Euro. Das ist drei bis acht Mal so teuer wie eine Freileitung. Diese Entscheidung für das Erdkabel war in Berlin von der Politik getroffen worden, im Wesentlichen hatte Bayern gedrängt. Der Freistaat wollte die Freileitungsmasten nicht in die Landschaft stellen.

Für das Erdkabel muss 50 Hertz mit Bodeneigentümern verhandeln. Außerdem ist die Verlegung mit den Anforderungen des Naturschutzes zu vereinbaren, es ist mit vielen Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen zu rechnen.

Die Kabel werden in anderthalb bis zwei Meter Tiefe verlegt, Landwirtschaft ist weiterhin möglich. In der Breite von 15 bis 20 Metern über dem Kabelgraben dürfen jedoch keine Tiefwurzler wachsen, damit das in der Erde und in Kunststoffrohren verlegte Kabel nicht beschädigt wird.

„Wir möchten, dass mit dem Deutschen Bauernverband ein Rahmenvertrag über Aufwuchsentschädigungen geschlossen wird“, sagt Wolfgang Köhler, Geschäftsführer des Börde-Bauernverbandes, der zur Informationsveranstaltung gekommen war. Außerdem solle es eine Entschädigung geben, sofern es zu Ernteausfällen wegen der Kabelverlegung komme.

Die Hinweise haben die 50 Hertz-Mitarbeiter entgegen genommen. Sie sind über weitere Anregungen unter www.50hertz.com/suedostlink dankbar.