Zerbst l Das ist das ernüchternde Ergebnis nach der Erstellung der Vorplanung und der ersten Kalkulation der Kosten auf der Sitzung des Bauausschusses am Mittwochabend, die Bürgermeister Andreas Dittmann mit den Worten einleitete: „Ring frei zur Gruselstunde!“

Bereits beim Abstimmungsgespräch zwischen Nutzern und Beteiligten war fraglich, ob die zur Verfügung stehende Summe für das aufwendige Projekt ausreicht. Die Rede ist von 200 000 Euro – je zur Hälfte finanziert von der Stadt Zerbst und dem Landkreis Anhalt-Bitterfeld. Dittmanns schon damals geäußerte „Zweifel, ob wir es zu diesem Preis hinbekommen“, haben sich nun bestätigt. Entgegen der zuversichtlichen Äußerung und der Projektbeispiele des Kreises, dass eine Stadionsanierung – inklusive dem Anlegen von Kunstoffbahnen – mit diesem Betrag möglich ist, hat sich zerschlagen.

Teure Schadstoffbelastung

Die Vorzugsvariante, die Architekt Dirk Guhl im Ausschuss vorstellte, beinhaltet vier Rundbahnen sowie sechs Kurzstreckenbahnen auf der Westseite des Stadions sowie einer Weitsprunganlage mit zwei parallelen Anläufen und einem integrierten Anlauf für den Dreisprung. Daneben würde eine Speerwurfanlage geschaffen und der Volleyballplatz auf ein Feld reduziert werden. Zu guter Letzt ist eine Kugelstoßanlage in der Nordwestecke vorgesehen. Als Ersatz für das einstige marode Toilettenhäuschen, das als Geräteraum dient und abgerissen werden soll, ist eine Fertiggarage angedacht.

Während zunächst der günstigere Tennenbelag für die Laufbahnen favorisiert wurde, soll nun auf teureren Kunststoff zurückgegriffen werden. Wie Dirk Guhl darlegte, darf Tenne nur in erdfeuchtem Zustand benutzt werden und benötigt viel Pflege.

Die Entscheidung für Kunststoff wirkt sich spürbar auf die Gesamtkosten aus, die sich dadurch um 234 000 Euro erhöhen. Nach oben getrieben wird die Summe allerdings auch aufgrund der Investition in die Entwässerung, die wegen des hohen Grundwasserstandes notwendig ist. Weiterer Kostentreiber ist die Schadstoffbelastung der alten Aschebahn mit Sulfaten, was mit einer speziellen Entsorgung verbunden ist. Guhl nannte einen Mittelwert von rund 100 000 Euro.

Alternativlösung suchen?

Unterm Strich kam er auf eine Sanierungssumme von insgesamt 940 000 Euro, die für die von Andreas Dittmann prophezeite Schockstarre unter den Anwesenden führte. „Wenn es uns nicht gelingt, Fördermittel zu akquirieren, ist die Maßnahme nicht realisierbar“, konstatierte der Bürgermeister. Aufgabe der Verwaltung sei es jetzt, eventuelle Förder-szenarien zu prüfen. Zugleich dankte er Wolfgang König, der für die Leichtathleten sprach, dass sich die Sportler ihrerseits nach Zuschussmöglichkeiten erkundigen wollen.

Darüber hinaus sollen Gespräche mit „Gut Heil“ aufgenommen werden hinsichtlich einer alternativen Lösung, „über die im Zweifelsfall auch nachzudenken ist“, so Dittmann. Dem Turnverein gehört der über dem Jahn-Stadion gelegene Sportplatz Am Anger. Die bereits eingeplanten 100 000 Euro sollen in der Rücklage verbleiben, schon allein, um beim Erhalt von Fördermitteln den erforderlichen Eigenanteil aufbringen zu können.

Zudem ist Kontakt mit dem Kreis aufzunehmen, der die aktuelle Planung noch nicht kennt. Durchaus denkbar wäre, dass jener nun doch hinter seiner neu errichteten Turnhalle am Wegeberg eine Leichtathletikanlage für den Schulsport anlegt. Denn sowohl das Gymnasium als auch die Ganztagsschule Ciervisti – beide in Trägerschaft des Kreises – nutzen das Stadion. „Da müssen wir verhandeln“, so Dittmann.