Großkühnau l Verschiedene Wahlen hatten direkte Auswirkungen auf den Bauernverband Anhalt, sagte der Vorsitzende Reinhard Ulrich am Mittwoch vor rund 100 Landwirten in Großkühnau, einem Ortsteil von Dessau. „Positiv betrachtet könnte man sagen, der Bauernverband ist die Kaderschmiede von Sachsen-Anhalt“, spielte er auf den Weggang des Geschäftsführer Ralf-Peter Weber an. Dieser wurde nach der Landtagswahl als Staatssekretär des Ministeriums für Umwelt, Landwirtschaft und Energie berufen. Ebenso ging der Vorsitzende Olaf Feuerborn. Er wurde zum Präsidenten des Landesverbandes gewählt.

Risse in den Abläufen

Die Kehrseite seien Risse in der Geschäftsstelle und deren Arbeitsabläufe, so der jetzige Vorsitzende Ulrich weiter. Er selbst dankte in dem Zuge für das ihm entgegengebrachte Vertrauen für die Wahl zum Vorsitzenden. Der Generationenwechsel, der eigentlich habe zur turnusgemäßen Wahl 2018 stattfinden sollen, sei so vorgezogen wurden.

Neuer Geschäftsführer wurde Dr. Michael Schenk, der zuletzt an der Hochschule Anhalt als Dozent im Fachbereich Landwirtschaft, Ökotrophologie und Landschaftsentwicklung tätig war. „Wir hoffen nun auf Stabilität im Verband“, sagte er.

2016 habe es eine Menge Herausforderungen darüber hinaus zu bewältigen gegeben. Das Jahr habe sich an 2015 angefügt. „Es war schon wieder zu trocken“, sagte der Vorsitzende. Es sei zu trocken und zu heiß gewesen, aber man sei mit der Witterung ganz gut umgegangen, so der Vorsitzende. Die Wintergerste sei im Kreisverband sechs Prozent unter dem Landesdurchschnitt ausgefallen. Das sei traditionell so und den Bodengegebenheiten geschuldet. Mit etwas mehr als 70 Dezitonnen pro Hektar sei das Ergebnis aber besser als im Vorjahr ausgefallen (67 dt/ha). „Das ist eine Hausnummer, das haben wir lange nicht gehabt“, kommentierte der Vorsitzende. Ein sehr guter Ertrag sei beim Winterweizen eingefahren worden. Im Schnitt wurden 75 Dezitonnen eingefahren worden, mehr als zehn Dezitonnen mehr als im Vorjahr pro Hektar. 55 Dezitonnen pro Hektar Roggen sei im Verbandsgebiet geerntet worden, das sei mehr als der Landesdurchschnitt gewesen.

Das Preisniveau für Getreide bezeichnete der Reinhard Ulrich als unterdurchschnittlich. Es sei in den vergangenen Jahren kontinuierlich gesunken. Anders sei es bei Raps, da gehe die Preistendenz nach oben. Bei den Zuckerrüben laufe in diesem Jahr die Quoten aus, die Landwirte hätten eigene Verträge mit den Zuckerfabriken geschlossen. Die Erträge seien eher schlecht, besserten sich aber während der vergangenen Jahre kontinuierlich. Kartoffeln erzielen gute Preise, die Erträge schwanken nur leicht, so der Vorsitzende.

Bei den Milchpreise scheine das Tief 2016 überwunden, die Milchbauern bekommen seit Ende 2016 wieder mehr als 30 Cent pro Kilogramm.

„Die Krise hat gezeigt, was passieren kann, wenn ein regulierter Markt freigesetzt wird“, sagte Ulrich. Einige Milchbauern mussten ihre Produktion aufgeben.

Die Tendenz des Preises für Schweinefleisch verlaufe positiv, also ansteigend.

„Für den angestrebten Richtungswechsel hin zum ökologischen Landbau erwarten wir von der Politik verlässliche Rahmenbedingungen“, forderte er. So benötige man Übergangsfristen, um die neuen Anforderungen an beispielsweise die Tierhaltung zu erfüllen.