Zerbst l Urteile zu verfassen, das gehört zum Beruf, den Katrin Benedict seit 20 Jahren in Zerbst ausübt. Überbordend spaßig ist diese Arbeit für die Richterin am Amtsgericht nicht. Ganz anders ist es aber, Geschichten mit literarischem Anspruch in den Laptop zu tippen. „Da ist das Herz dabei. Das macht Freude“, sagt die Juristin, die jetzt beim Verlag „tredition“ in eigener Regie ihr erstes Buch veröffentlicht hat.

„Von Maus, Hund und Honigbär“ heißt die Sammlung von sieben Kurzgeschichten im himmelblauen Einband. Katrin Benedict hat es geschafft, ihren Cousin Wolf Bertram Becker für die Illustrationen zu gewinnen. Der renommierte Künstler aus dem thüringischen Weimar schuf mit teils zarten, teils kräftigen Tusche-Strichen hübsche Ergänzungen zu den Texten.

Lesung am 3. Mai in Zerbst

Am 3. Mai wird es so weit sein, dass die Juristin ihr Erstlingswerk in Zerbst einem breiteren Publikum vorstellt. Interessierte Zuhörer sind in „Cesar’s Restaurant“ willkommen. Die von Buchhändlerin Hannelore Seidler initiierte Lesung beginnt um 19 Uhr.

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Doch wann eigentlich griff die Richterin richtig ernsthaft zur Feder respektive in die Computertastatur? Die Antwort böte Raum für eine eigene ausführlichere Geschichte: Dass die Juristin schriftstellern würde, erfuhr sie vor knapp zehn Jahren auf dem fünften Kontinent.

In Australien, wo ihre Tochter Irene zu einem Austauschjahr weilte, gab ihr eine Wahrsagerin auf einem Markt drei Tipps für die Zukunft mit auf den Weg: häufiger Röcke und Kleider zu tragen, nicht alles kontrollieren zu wollen und zu schreiben. Als dann im Zuge der Nachsorge ihrer Krebserkrankung einer der Heiler in dem spirituellen Zentrum, das sie aufsuchte, meinte, beim Erzählen über das Schreiben habe sie besonders glücklich ausgesehen, sei sie entschlossen gewesen, sich inspirieren zu lassen.

Positive Reaktionen

Zu dem Zeitpunkt existierte bereits die den Band eröffnende Geschichte „Die Maus“. Dass der ein Zauber innewohnte, zeigte sich zum Weihnachtsfest 2015. „Als ich die vortrug, waren alle ganz bezuckert.“ Dieser liebevollen Charakterstudie, in der Benedicts Lebensgefährte Gunther Karl keine ganz unbedeutende Rolle spielt, fügte sie ab dem vorigen Herbst bis in diesen Januar hinein weitere Stories hinzu. Manche tierisch, manche menschelnd. Keine zu sehr der Wirklichkeit entrückt.

Vor dieser Initialzündung hatte Katrin Benedict für den Hausgebrauch fabuliert. Zur Jugendweihe der Tochter. Anlässlich von Geburtstagen im Familien- und Freundeskreis. Das kam immer gut an. Und verkehrte sich jetzt nicht ins Gegenteil. „Wer nun schon die Geschichten – sieben ist eine gute und schöne Zahl – lesen konnte, der hat nicht um Hilfe geschrien“, schmunzelt die Hobby-Autorin.

Die Reaktionen seien „eigentlich alle positiv“ gewesen. Das war ihr im Vorfeld auch wichtig: Mit dem, was sie niederschrieb, in Erfahrung zu bringen, ob das Ergebnis den Leuten gefallen würde.

Krimi ist in Arbeit

Sie selbst mag nach vielen Jahren als Strafrichterin – inzwischen verhandelt sie Zivil- und Familiensachen – auf keinen Fall die möglichst reißerischen und ultrabrutalen Stories. „Obwohl ich tatsächlich an meinem ersten Gerichtskrimi arbeite, gebe ich das gleich zu bedenken“, zeigt sie Entschlossenheit, auf obligatorische Zutaten zu verzichten. Dass die Leserschaft beim Schmökern auf fünf Frauenleichen stößt, die ein Massenmörder im finsteren Keller versteckt hat, kommt also nicht in Frage. Nicht bluttriefend, eher schelmisch soll ihr Plot sein.

„Den gut hinzubekommen, ist bei einem Roman schwieriger als für eine Kurzgeschichte. Bei der weiß ich Anfang und Ende. Und den Raum dazwischen fülle ich mit Sinn, mit einer Essenz“, schildert sie. Beim längeren Genre seien die Verschränkungen und Überkreuzungen wichtiger. „Da klettere ich wie auf einer Leiter von einer Kurzgeschichte zur nächsten.“ Wann dieses Buchprojekt fertig ist? „Wohl nicht in diesem Jahr“, will Katrin Benedict, die sich auch an einem Kinderbuch versuchen möchte, nichts überstürzen.