Zerbst l Weithin sichtbar ist die Holzkonstruktion auf dem Dach des Zerbster Schlosses. Dort entsteht eine Aussichstplattform, die an einen Pavillon erinnert. Sie steht übrigens auf dem Dach jenes Teils des Schlosses, der ebenfalls Pavillon genannt wird, nämlich dem Südende des noch erhaltenden Ostflügels des Zerbster Schlosses.

Der Aufbau wirft bei vielen Zerbstern Fragen auf. So ließ sich auch Stadtrat Hans Ulrich Müller (UWZ) zu der Frage hinreißen, wer denn „solchen Schwachsinn genehmigt“ und bezeichnete den Aufbau als „chinesischen Teetempel“.

Nutzen in Frage gestellt

Dahinter scheint für viele Frage zu stecken, ob so ein Aufbau nicht mit den Denkmalschutzrichtlichen kollidiere und welchen Nutzen diese Konstruktion eigentlich haben solle.

Auch dazu äußern sich die Vorstandsmitglieder des Zerbster Schlossvereins in ihrer Pressemitteilung. „Das Dach selbst stellt eine Übergangslösung zum Schutz der Bausubstanz vor Nässe dar, bis dieses in jetzt nicht absehbarer Zeit durch den viel höheren, den historischen Formen entsprechenden Dachstuhl ersetzt werden kann“, steht in der Mitteilung. Und: „Dann verschwindet die Aussichtsplattform wieder.“

An der Spitze des historischen Dachstuhls seien mit dem Bau des Ostflügels 1746 zwei große Schmuckschornsteine errichtet worden, die durch eine Balustrade miteinander verbunden gewesen seien. „Die großen, baufällig gewordenen Schornsteine und die Balustrade wurden 1842 abgetragen und sind deshalb auf Fotografien nicht mehr zu sehen. Diese Tatsache und die Reminiszenz an den nicht mehr existenten Aussichtspunkt auf dem Schlossturm hat das Architekturbüro ‚Brosig + Mengewein & Partner‘, das mit der Begleitung der Sicherungsmaßnahmen am Schloss beauftragt ist, inspiriert, auf dem Übergangsdach eine Plattform zu planen“, steht dort weiter.

Diese Idee sei in die Antragsunterlagen eingeflossen, auf deren Basis der Förderverein die Baugenehmigung und die Denkmalrechtliche Genehmigung für die gesamte Sicherungsmaßnahme III erhalten habe.

Mit Leben erfüllen

„Die Projekte des Fördervereins sind neben den baulichen Sicherungen, auf denen das Hauptaugenmerk liegt, darauf ausgerichtet, das Schloss mit Leben zu erfüllen“, schreiben die Vorstandmitglieder in ihrer Erklärung weiter.

„Mit der Aussichtplattform wird ein neuer Höhepunkt im Schloss geschaffen und die Attraktivität für Besucher erhöht.

Das neue Angebot, das alle Altersklassen anspricht, wird sich zu einem Besuchermagnet entwickeln und damit viele weitere interessierte Gäste ins Zerbster Schloss ziehen“, ist sich der Vorstand des Schlossvereins sicher.

Dem Förderverein soll es so möglich werden, einen Teil der Einnahmen zur Kofinanzierung von Sicherungsmaßnahmen und zur Umsetzung anderer Projekte zu erzielen.

Mit dem Saisonbeginn im April 2017 können Besucher die neue Aussichtsplattform in Besitz nehmen „und von dort aus einen grandiosen Blick über den Schlossgarten und die Stadt Zerbst genießen.“

Seit Mai dieses Jahres realisiert der Förderverein Schloss Zerbst den vierten Bauabschnitt der Sicherungsmaßnahme III. Seitdem arbeiteten verschiedene Gewerke kontinuierlich am Südteil des Schlosses. Inzwischen wurde die große Stahlbetondecke oberhalb des zweiten Obergeschosses inklusive der Hauptgesimse gegossen und der obere Teil der ehemals vorhandenen Treppe wiederhergestellt, die bis auf die Dachebene führt. „Nach der Realisierung noch bevorstehender Schlosserarbeiten wird die Sicherungsmaßnahme III nach nunmehr sechs Jahren insgesamt abgeschlossen sein. Der Pavillon ist endgültig vor dem Verfall geschützt und für lange Zeit bewahrt“, geben sich die Vorstände zufrieden.

„ Auf dieses, durch hohes bürgerschaftliches Engagement erreichte Ergebnis können die Mitglieder des Fördervereins zu Recht sehr stolz sein. Die Arbeiten wurden durch eine hundertprozentige Förderung durch Bund und Land ohne städtischen Finanzanteil möglich, für die wir sehr dankbar sind“, teilte der Vorstand mit.