Zerbst l Das Motto „Feuer, Wasser, Gott und Teufel“ der ersten Stadtführung des Jahres ist Programm. Denn schon in den ersten paar Minuten der Führung ist zumindest das Wasser in Form von Regen deutlich zu spüren und zu sehen. Doch davon lassen sich die Teilnehmer keineswegs abschrecken. Bis zum Schluss bleiben alle dabei und lauschten den Fakten und den Legenden aus dem Zerbst „von damals“.

Das heutige Seniorenheim „Willi Wegener“ ist die erste Station. Die Kellerräume des ehemaligen Augustinerklosters wurden von der Zerstörung im Krieg bewahrt. Stadtführerin Jana Reifarth erzählt an dieser Stelle, wie es zu dem Brauch der Ostereier gekommen ist.

Woher kommt der Eierbrauch?

Dies habe vor allem praktische Gründe gehabt, so die Stadtführerin. Denn seit dem Mittelalter verbot die Kirche in der Fastenzeit den Verzehr von Fleisch und Eierspeisen. Während dieser Zeit legten die Hühner natürlich weiterhin Eier. Damit dieser Eierüberschuss nicht verdarb, wurden die Eier abgekocht und zu Ostern verspeist.

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Im Augustinerkeller wartet ein besonderer Gast auf die Besucher der Stadtführung: Martin Luther. Natürlich nicht der echte, der 1522 hier gepredigt hat, sondern der verkleidete Zerbster Rainer Sens. Als Wegzehrung verteilt er an die Besucher Ostereier.

Um dem Thema der Stadtführung gerecht zu werden, darf außer dem Wasser natürlich das Feuer nicht fehlen. Hierzu geht es entlang der Stadtmauer zur alten Feuerwache. „Früher durften Mitglieder des Turn- und Sportvereins bei der Feuerwehr mitmachen“, erzählt Jana Reifarth von den Ursprüngen. ImFebruar 1869 stellten die Mitglieder vom „Männer-Turn-Verein Zerbst“ den zweiten Antrag auf Gründung einer freiwilligen Turner-Feuerwehr, der genehmigt wurde – so steht es auf der Internetseite der Zerbster Feuerwehr.

Uneffektive Löschmethode

Außerdem sei es Pflicht gewesen, dass jeder Zerbster einen Ledereimer im Haus hat. „Das war natürlich sehr uneffektiv“, beschreibt sie weiter. So sei beim Löschen viel Wasser verloren gegangen.

Apropos Wasser: Da es mittlerweile stark regnet, geht es in das Heidetor. In der Dunkelheit erzählt Viola Tiepelmann, Leiterin der Zerbster Tourist-Information, eine alte Stadtlegende, in der es indirekt um das Thema „Teufel“ geht. Es ist die vom „Schönen Suschen“ – einer schlauen und mutigen Zerbster Magd, die eine böse Räuberbande überführt.

Nach einem Abstecher entlang des Francisceums und in die St. Nicolai-Kirchenruine erzählt Viola Tiepelmann für die Besucher der Stadt Zerbst die Legende von der Butterjungfer, der noch heute eine Säule mit goldener Statue gewidmet ist. Es ist die Sage einer sehr wohlhabende Dame, die den Bauern im 13. Jahrhundert das Recht erkauft haben soll, ihre Produkte nicht auf dem weiter vom Zentrum entfernten Butterdamm, sondern auf dem Markt zu verkaufen.

Viele Eindrücke

Vor allem die Teilnehmer der Stadtführung, die in Zerbst zu Besuch sind, sind beeindruckt. „Es war so liebevoll gemacht und echt interessant“, schwärmt Cordula Sondhauß aus Bonn, die ihre Zerbster Freundin Christine Franke besucht und spontan mit ihr auf die Stadtführung gegangen ist.

Margitta Neubert aus Bamberg, die gerade ihre Zerbster Familie besucht, findet besonders die Sagen rund um die Stadt spannend. Sie sagt: „Ich habe wirklich viel gelernt und einen viele neue Eindrücke von der Stadt bekommen.“