"So langsam weiß ich mir keinen Rat mehr, wie ich an Arbeit komme. Immer wieder gibt es Probleme. Dabei möchte ich doch nur einen Arbeitsplatz." Mit diesem Wunsch wandte sich Janet Brandt an den Leser-Obmann.

Unzählige Bewerbungen und nur Absagen

Seither aber bemüht sie sich um einen geeigneten Arbeitsplatz für sich - vergeblich bislang. "Ich schrieb schon unzählige Bewerbungen, aber immer wieder erhielt ich Absagen." Bemängelt wurden vor allem die fehlenden Kenntnisse der Bewerberin in Buchhaltung und Rechnungswesen sowie die Nichtbeherrschung spezieller EDV-Programme. "Dabei möchte ich doch so gerne arbeiten und mein eigenes Geld verdienen", betonte Janet Brandt beinahe und monierte auch die, wie sie meint, unzureichende Förderung durch Arbeitsagentur und Jobcenter.

Das war vor sechs Wochen.

Inzwischen absolviert sie eine individuelle Maßnahme zur Aktivierung und beruflichen Eingliederung. Denn die ist im Fall der jungen Frau auch für die Arbeitsvermittler im Jobcenter Börde nicht so einfach. Fachpraktikantinnen für Bürokommunikation, wie der Berufsabschluss von Janet Brandt lautet, können zwar vielerorts eingesetzt werden - in Industrie- und Handwerksbetrieben, bei Behörden und Verbänden, wo sie Arbeiten der Büroassistenz übernehmen.

Qualifizierungsbedarf wird ermittelt

Doch ist nach der Ausbildung - abhängig von der jeweiligen Behinderung - eine Spezialisierung in Richtung Finanz- und Rechnungswesen, Lager, Einkauf oder Versand nötig, teilte das Jobcenter Börde mit.

Für die von Janet Brandt gewünschte Fortbildung im Bereich Finanz- und Rechnungswesen aber fehlten ihr grundlegende kaufmännische Kenntnisse. Grundsätzlich stehe einer Förderung ihrer beruflichen Weiterbildung zwar nichts im Wege, doch sei unter Berücksichtigung der Eignung, persönlichen Umstände und der Anforderungen am Arbeitsmarkt der wirkliche Qualifizierungsbedarf zunächst noch offen, wurde dem Leser-Obmann im Februar mitgeteilt.

Dieser "Qualifizierungsbedarf" von Janet Brandt wird nun bei einer Arbeitserprobung in einem Magdeburger Bildungszentrum ermittelt. Die Maßnahme sei genau auf die individuellen persönlichen Umstände der Schwerbehinderten ausgerichtet und werde ständig sozialpädagogisch begleitet, versicherte das Jobcenter.

Janet Brandt bestätigt das. Anfangs wurden erst einmal Fähigkeiten und Kenntnisse abgefragt. Dabei stellte sich heraus, "dass ich eventuell in einer ganz anderen Branche - Kundenberatung beziehungsweise Kundenbetreuung - tätig werden könnte", teilte sie uns mit. Zwar habe sie bisher noch keine wirklichen Ergebnisse für sich festgestellt, doch habe sie ja noch einige Wochen vor sich. "Ich werde nicht aufgeben und auch erst mal abwarten, was mir diese Maßnahme bringt", versichert sie und äußerte sich auch zufrieden mit der Arbeitsvermittlung."

Individuelle Betreuung wird fortgesetzt

Im Anschluss an die derzeitige Arbeitserprobung soll mit Janet Brandt gemeinsam der erforderliche Qualifizierungsbedarf ermittelt werden, wobei der Bildungsträger sie weitere sechs Monate individuell nachbetreuen wird, so die Fachabteilung des Jobcenters Börde.

Und dann wird hoffentlich bald wahr, was sich Janet Brandt im ersten Brief an unsere Redaktion wünschte: "Ich möchte doch nur einen Arbeitsplatz!"