Empört, dass ihr die Telekom einfach den Anschluss gekündigt hatte, wandte sich Maria Gruhn aus Magdeburg an die Volksstimme. Der Leser-Obmann ging der Sache auf den Grund.

Auf ein Schreiben im November 2014, mit dem man sie um Zustimmung "für den Anschluss der Zukunft" aufforderte, habe sie nicht reagiert, weil sie sich erst beraten wollte. Doch schon wenig später flatterte die Kündigung des Vertrages ins Haus - ohne jegliche Rechtsbelehrung, schimpfte die Magdeburgin. Nach Einschalten des Leserobmanns wurde ihr von der Telekom telefonisch lediglich mitgeteilt, dass das IP-System ohne Wenn und Aber realisiert wird. "Ich bin nicht gewillt, mich auf diese Art und Weise von der Telekom überrumpeln zu lassen", schrieb uns die Leserin.

Was aber könnte sie gegen die Kündigung ihres Telefonanschlusses tun? Nicht viel, so die Verbraucherzentrale Sachsen-Anhalt.

Anschluss-Umstellung schriftlich angekündigt

Die Deutsche Telekom stellt derzeit ihre Telefon- und Internetanschlüsse auf All-IP-Netze um, teilte Gabriele Emmrich von der Hallenser Beratungsstelle mit. Das alte analoge Telefonnetz hat ausgedient und wird nach und nach abgeschaltet. Telefonieren und Surfen wird zukünftig nur noch über das Internet möglich sein. "Die Internet-Telefonie (Voice over IP) wird zum Standard", so die Verbraucherberaterin, die sehr wohl weiß, dass Kunden wie unsere Leserin aus Magdeburg teilweise recht verunsichert sind und nicht wissen, dass die neue Technik durchaus auch Vorteile bringen kann.

Wie läuft die Umstellung ab?

Die Telekom kündigt mit mehreren Schreiben den betroffenen Kunden an, den Anschluss umzustellen. Reagiert der Kunde nicht darauf und stellt seinen Tarif und damit seinen Anschluss nicht auf einen neuen All-IP-Anschluss um, folgt die Kündigung durch die Telekom.

Rechtsbelehrung in dem Fall nicht erforderlich

"Betroffen davon sind derzeit nur Kunden, die einen sogenannten VDSL-Anschluss in Kombination mit einem echten Telefonanschluss (Analog oder ISDN) nutzen", berichtet Gabriele Emmrich. Verbraucher, die zu Hause einen reinen Analog-Telefonanschluss ohne Internet haben, brauchen sich meist um nichts zu kümmern. Bei der Umstellung dieser normalen Analog-Anschlüsse ohne DSL soll es technische Lösungen geben, die die Telekom dann in der Vermittlungsstelle oder den Kabelverzweigern umsetzt.

Aber darf die Telekom Kunden denn wirklich einfach so kündigen? Ja, sie darf, denn nach Ablauf der Vertragslaufzeit hat die Telekom - genau wie ihre Kunden - das Recht auf ordentliche fristgemäße Kündigung. "Das heißt, die Kündigung muss form- und fristgemäß erklärt werden. Eine Rechtsbelehrung wie die Leserin erwartet hat, ist in einem solchen Vertragsverhältnis nicht erforderlich", so die Rechtsexpertin der Verbraucherzentrale.

Im Rahmen der Universaldienstverpflichtung sei die Telekom zwar verpflichtet, einen Standard-Telefonanschluss anzubieten, erläutert sie. Doch sei gesetzlich nicht vorgeschrieben, dass dies ein analoger Anschluss sein muss. "Erhält man eine Kündigung, bleibt nur die Möglichkeit, sich für einen neuen Tarif der Telekom zu entscheiden - oder zu einem anderen Anbieter zu wechseln", so das Fazit der Verbraucherberaterin. Wer bei der Telekom bleiben will, muss zumeist nur einen neuen Vertrag abschließen - sei es im Internet, im Laden oder telefonisch. Dabei erfährt der Kunde auch, ob er seinen Router oder sein Telefon weiter nutzen kann oder austauschen muss. Das neue Gerät kann er bei der Telekom kaufen oder mieten, auch ein im freien Handel gekaufter Router kann an den Anschluss angeschlossen werden.

Neue Übertragungstechnik auch bei anderen Anbietern

Bei einem Wechsel des Anbieters gibt es jedoch keine Garantie, dass die neue Übertragungstechnik nicht trotzdem Einzug hält. "Auch andere Anbieter rüsten um. Viele Verträge mit Festnetz-Flat werden zum Beispiel schon heute nicht nur über das Festnetz, sondern auch über die Mobilfunknetze oder via Internet realisiert", so die Verbraucherberaterin.