Magdeburg l The same procedure as last year - der prägnante Satz aus dem "Dinner for One" drängt sich einem beim Vergleich mit der Vorsaison (8. Platz) auf. Bereits vor einem Jahr lautete die Quintessenz an gleicher Stelle nämlich: Auf und nieder, immer wieder. Nur mit dem Unterschied, dass die Berg- und Talfahrt der Magdeburger durch die Saison 2013/14 noch einen Zahn schärfer ausfiel. Was nicht zuletzt - am Tiefpunkt im Dezember angekommen - Trainer Frank Carstens ins Aus katapultierte. Dies war das Ende mit Schrecken, das in einer noch nie dagewesenen Verletzungsmisere seinen Ursprung hatte.

Für den beurlaubten Carstens, der im Juli 2010 das sportliche Steuer übernommen und dreieinhalb Jahre stringent geführt hatte, kam Interimscoach Uwe Jungandreas. Und der 53-Jährige schaffte, was ihm wohl nur wenige zugetraut hatten: Er führte die völlig verunsicherte Mannschaft in die Erfolgsspur zurück.

Saisonziel 36 plus x wurde trotz allem noch erreicht

Und nicht nur das, sogar das zwischenzeitlich in weite Ferne gerückte Saisonziel "36 plus x" wurde noch erreicht. Das Dank einer Steigerung, vor allem in der Abwehr, die in der Serie von sechs Spielen ohne Niederlage in Folge und dem besten Spiel der Saison gegen Hamburg (33:25) gipfelte. Dass im Endspurt mit nur zwei aus vier greifbaren Punkten (Gummersbach und Melsungen) die große Chance verpasst wurde, die Bilanz mit dem Sternchen EC-Ticket zu versehen, ist ein (verzeihlicher) Schönheitsfehler.

"Wir haben eine Saison mit viel Licht und Schatten gesehen", lautet das Resümee von SCM-Manager Marc Schmedt. "Ich würde sogar so weit gehen, zu sagen, dass wir das Team mit den größten Ausschlägen in der Liga sind. Insgesamt bin ich aber nicht unzufrieden, denn wir haben die Kurve noch gekriegt. Dass wir am Ende sogar noch an der Europacupteilnahme schnuppern, daran war im Dezember nicht zu denken", so der Geschäftsführer, der die Verpflichtung von Jung-andreas als "Volltreffer" bezeichnet. "Uwe hat für alle Ewigkeit in Magdeburg einen Stein im Brett."

Sveinsson übernimmt ein Team mit vier Baustellen

Doch so positiv die Entwicklung der Mannschaft unter Jungandreas` Federführung auch war, so unbestritten ist es auch, dass der neue Trainer Geir Sveinsson im Juli eine Mannschaft mit vier größeren Baustellen übernimmt:1. Heimschwäche: Fünf Spiele in der Getec-Arena wurden verloren, alle fünf in der Hinrunde unter Carstens. Die 19:29-Klatsche gegen Melsungen sowie die Niederlagen gegen die "Kleineren" (Bergischer HC und Göppingen) schmerzten dabei ganz besonders.

2. Pflichtaufgaben: Zwölf Punkte - sieben davon daheim - wurden gegen Mannschaften verloren, die hinter dem SCM in der Tabelle liegen. Diese nicht gemachten Hausaufgaben wiegen in der Endabrechnung schwerer als die "Big Points" gegen Kiel, Flensburg und Hamburg.

3. Rückraum: In entscheidenden Phasen fehlen die Tore aus der zweiten Reihe. Die Leistungen von Stefan Kneer auf der Königsposition hatten ebenso zu große Schwankungen wie die des verletzungsanfälligen rechten Rückraums mit Jure Natek und Andreas Rojewski.

4. Kreativabteilung: Zunächst schien die Rechnung mit zwei Unbekannten auf der Spielmacherposition aufzugehen, denn sowohl Marko Bezjak als auch Michael Haaß fügten sich überraschend reibungslos ein. Dann jedoch wurden beide durch zum Teil langwierige Verletzungen zurückgeworfen. Welches Potenzial er hat, stellte Bezjak dann in der Rückrunde unter Beweis, auch, weil mehr Spielraum zur Eigenregie zugestanden wurde. Haaß dagegen steigerte sich zwar in der Abwehr, blieb aber im Angriff weiter hinter den Erwartungen zurück.

Nunmehr sind Sveinsson und die drei Neuzugängen gefordert, im Verbund mit einer intakten und top-fitten Kernmannschaft den Aufwärtstrend fortzusetzen, die Baustellen zu schließen und sich nachhaltig zu stabilisieren - damit es in einem Jahr an dieser Stelle nicht heißt: The same procedure as every year.