Berlin (dpa) l Der freundliche Herr Zhang kann es kaum abwarten. Die Kanzlerin ist in Chengdu und er soll ihr die Zubereitung eines für diese Region in China typischen Gerichts mit scharfem Hühnchen zeigen. Doch bevor es losgeht, möchte er unbedingt ein persönliches Wort an den hohen Gast aus Deutschland richten. "Ich bin Fan der deutschen Fußballnationalmannschaft", sagt er und verbeugt sich tief vor Angela Merkel. Seine Ehrerweisung nimmt sie lächelnd entgegen.

In den Wochen dieser WM bekommt sie viele solcher Glückwünsche, die mit ihr rein gar nichts zu tun haben - außer, dass sie eben auch Deutsche ist. Für die Regierungschefin fällt aber etwas ab, weil auch sie ein Fan ist und bei wichtigen Spielen auf der Tribüne mitfiebert und Emotionen zeigt. Das sieht man von ihr sonst nie: sie jubelt, springt auf, hält sich die Hände vor das Gesicht. So wird es auch wieder beim Finale am Sonntag gegen Argentinien sein.

Merkel im Stadion. Das kommt an. Bei den Deutschen und anderen Nationen. Denn man kennt sie meistens nur sachlich, nüchtern, schnörkellos. Und unerbittlich gegenüber finanzschwachen EU-Ländern, die nach Merkels Willen erst einmal hart sparen müssen, um Geld von der Gemeinschaft zu bekommen. Bei Besuchen in Athen und Lissabon wurde Merkel dafür schon mit Hitler-Bildern verunglimpft.

Der tunesische Ministerpräsident Mehdi Jomaâ steht im Kanzleramt neben ihr und das erste, was er sagt, ist: "Erstens gratuliere ich der deutschen Fußballnationalmannschaft zu ihrer tollen Leistung." Da hatte die DFB-Elf gerade erst ein Spiel bestritten. Gegen Portugal. 4:0. Merkel war zum Auftaktspiel geflogen und hatte mit einem Foto in der Kabine für Furore gesorgt. International.

Chinas Premier Li Keqiang wünscht Deutschland die Weltmeisterschaft - im Fußball. Die Produkte, für die die Deutschen sonst noch in der Welt geschätzt werden - Autos, Maschinen, Kleidung, insbesondere Sportbekleidung, Cremes -, würden die Chinesen lieber selbst und alleine herstellen.

Brasiliens Präsidentin Dilma Rousseff hatte bei Merkels Besuch Mitte Juni gesagt: "Ich bin sicher, dass die Frau Bundeskanzlerin (...) sowie alle deutschen Touristen (...) eine wunderbare WM erleben werden." So ist es gekommen. Auch für die deutsche Politik. Dass aber ausgerechnet Deutschland den Gastgeber Brasilien im Halbfinale mit einem 7:1 demontiert, hat bei manchem Politiker auch ein beklemmendes Gefühl hinterlassen. Die Linken-Politikerin Inge Höger etwa meint, dass das in Teilen arme Brasilien nun erkennt, dass der Gewinner der WM die Fifa und die Reichen sein werden. Jedenfalls nicht das Land.

Und die Sympathien für Deutschland werden nicht größer, wenn Deutschland überall überdurchschnittlich stark auftritt. Ein Land, das gestärkt aus der Finanzkrise hervorgeht, während etwa Griechenland, Portugal, Italien größte Probleme haben. Das die Arbeitslosenquote der Jugendlichen niedrig halten kann, während in Spanien rund die Hälfte auf der Straße steht. Das harte Reformen schon durchgezogen hat, während Frankreich noch davor steht. Und ein Land, gegen dessen Regierungschefin in Europa fast nichts läuft.

Und dann auch noch die Fußballstars. Dabei wird Merkel von ausländischen Amtskollegen erklärt, warum die Löw-Auswahl so beliebt sei: Es spielten eben keine Stars. Es spiele ein Team. Kraftvoll, kameradschaftlich, kompakt.