Magdeburg l Trotz der beiden Anschläge auf sein Auto in diesem Jahr hat sich Peter Rauchfuß geschworen, nicht aufzugeben: Der Schiedsrichterwart des Deutschen Handballbundes (DHB) hängt zu sehr an seinem pfeifenden Nachwuchs: "Ich kann die Schiedsrichter nicht im Stich lassen, und die Schiedsrichter stehen absolut zu mir", erklärte der 69-Jährige, der sein Amt seit 2002 bekleidet, am Sonnabend im Gespräch mit der Volksstimme.

Dass nach den Anschlägen auf sein Fahrzeug im Januar und im Juli natürlich ein Misstrauen gewachsen ist, dass Peter Rauchfuß "vorsichtiger geworden ist", kann er nicht verhehlen. Im Winter waren zunächst die Reifen zerstochen und ein anonymer Drohbrief von dem oder die Täter an die Windschutzscheibe geklebt worden. Im Juli wurde das vor dem Hotel geparkte Fahrzeug in Brand gesteckt.

DHB von bisherigen Ermittlungen enttäuscht

Beide Anschläge ereigneten sich in Halberstadt und jeweils während eines Schiedsrichterlehrgangs, den Rauchfuß leitete (Volksstimme berichtete). Uwe Becker, Sprecher des Polizeireviers Harz, sagte am Sonnabend der Volksstimme: "Beim Anschlag im Juli sind wir noch am Anfang der Ermittlungen, wir warten auf die Analyse der Sachlage und müssen weitere Zeugen vernehmen, unter anderem auch den Geschädigten."

Der DHB wird indes ungeduldig. Der Verband bestätigte am Sonnabend gegenüber der Volksstimme die Zitate des Präsidenten Bernhard Bauer in anderen Medien. Darin sagte Bauer: "Unser Eindruck ist, dass seit Januar nichts passiert ist." Er erklärte auch, sich per Brief an die Polizeidirektion und die Staatsanwaltschaft Halberstadt darüber beschwert zu haben. "Richtig ruhig schlafen können wir alle aber erst wieder, wenn diese Anschläge aufgeklärt sind", sagte Bauer. Dem sei nichts hinzuzufügen, erklärte der DHB auf Anfrage der Volksstimme.

Rätsel gibt derweil der anonyme Drohbrief auf, gerade weil sein Inhalt konkretes Wissen offenbart: Peter Rauchfuß ist darin nicht nur zur Niederlegung seines Amtes, in das er bis 2017 gewählt wurde, aufgefordert worden. Ihm ist zudem eine Mitschuld am Tod der Methe-Brüder gegeben worden.

Unverständnis für Mitschuld-Vorwurf

Die Schiedsrichter Bernd und Reiner Methe sind bei einem tragischen Autounfall auf dem Weg zur Bundesliga-Partie zwischen Balingen-Weilstetten und SC Magdeburg, die sie damals "auf eigenem Wunsch pfeifen wollten", so Rauchfuß, ums Leben gekommen. Das war im November 2011. Warum ihm nun eine Mitschuld an dem Unglück gegeben wird, kann Rauchfuß nicht nachvollziehen. Er hat als aktiver Schiedsrichter, unter anderem in 326 Länderspielen, "Schimpf und Schande" über sich ergehen lassen müssen, aber Ähnliches wie in diesem Jahr hat er nie zuvor erlebt.

Peter Rauchfuß leitet nach wie vor Schiedsrichter-Lehrgänge, auch in Halberstadt. Er wird von den Ermittlungsbehörden bald befragt werden zum Anschlag im Juli, das bestätigte Polzeispreicher Becker. Rauchfuß hat derweil nur einen Wunsch: "Ich will, dass der Täter so schnell wie möglich gefasst wird."