Magdeburg l Vielleicht haben sich Geir Sveinsson und Dagur Sigurdsson über den Geschmack von Katzenfischen unterhalten, vielleicht haben sie auch einen Naturfilm über Geysire geschaut. Was man so macht, um in der Erinnerung an die isländische Heimat zu schwelgen. Sveinsson berichtete jedenfalls von einem sehr schönen Abend, den die beiden Trainer verbracht haben, es war ein Abend Mitte November in Möser bei Familie Sveinsson. Über das Duell zwischen dem SCM und den Füchsen am heutigen Mittwoch (20.15 Uhr, Getec-Arena) oder über dessen Vergangenheit mit zehn Punktspiel-Siegen in Folge für Berlin haben sie indes nicht gesprochen. "Das war zu weit weg", erklärte Sigurdsson. Und es klang wie ein Schwur.

Sveinsson, der SCM-Trainer, spürt: "Das Derby bedeutet für alle viel. Aber auch darin bekommst du nicht mehr, nicht weniger als zwei Punkte." Sigurdsson, der Füchse-Coach, meinte: "Für mich ist es ein ganz normales Spiel. Ich freue mich auf Magdeburg, allein wegen der tollen Stimmung." Bis gestern wollten für diese bereits 6500 Fans sorgen.

Eine Anspannung wollte Sveinsson für sich nicht bestätigen, dabei wäre sie nach dem Training am Montag zu vermuten gewesen: "Tausendmal habe ich gesagt", unterbrach er dort lautstark eine Angriffsübung des Teams: "volle Pulle in der Bewegung." Er bewegte sich dabei ebenso laut gestikulierend. Aber er fand schnell zur Entspannung zurück. Und besonders entspannt sprach er zum Beispiel vom einstigen Weltklasse-Mittelmann der Isländer namens Sigurdsson (215 Länderspiele), "ein super Handballer". Und Sigurdsson wiederum sprach vom einstigen Weltklasse-Kreisspieler Sveinsson (340): "Das kann ich bestätigen, ich habe ihm die meisten Bälle zugepasst, aber Geir war auch ein hervorragender Abwehrspieler", sagte der 41-jährige Füchse-Coach und zugleich Bundestrainer über den 50-Jährigen. Und es klang ein wenig romantisch, als Sveinsson dann mitteilte: "Wir sind nicht nur Kumpels, wir sind Freunde."

Die Freundschaft steht heute für 60 Minuten hintenan: Für beide Trainer ist es der Auftakt in eine Serie von sieben Spielen mit ihren Teams bis zum Jahresende. Und während sie früher zusammen kämpften, kämpfen sie jetzt als Gegner um den Anschluss an die Spitze. "Wir wollen uns die Chance lassen, in der Rückrunde um einen internationalen Wettbewerb zu spielen", erklärte Sigurdsson seinen Plan. Die Füchse belegen derzeit Platz sechs (18:12 Punkte). "Jetzt über Ziele zu reden, passt einfach nicht, wir wollen guten Handball zeigen", sagte Sveinsson, sein SCM belegt Rang fünf (19:11).

Wie auch immer das Duell ausgeht, ein Glückwunsch ist Sigurdsson bereits sicher: "Ich werde Dagur nach dem Spiel zum Erreichen der nächsten EHF-Cup-Runde am Sonntag gratulieren", erklärte Sveinsson lächelnd, als meinte er, "nach unserem Sieg".

Dario Quenstedt hat vor dem Spiel gegen die Füchse seinen Vertrag beim SCM bis 2017 verlängert, teilte der Verein mit. "Wir sind sehr glücklich, dass wir die nächsten zwei Jahre mit Dario arbeiten können. Gerade in den vergangenen Monaten unter Torwarttrainer Tomas Svensson hat er sich weiterentwickelt", erklärte der Sportliche Leiter Steffen Stiebler. Der 25-jährige Keeper kehrte nach zwei Jahren beim TuS N-Lübbecke 2013 zum SCM zurück.