Die deutschen Handballer haben bescheidene Ziele für die Handball-WM in Katar. Insgesamt hält das Turnier im Golf-Emirat einige Besonderheiten parat. Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

Wie hat sich die deutsche Mannschaft für die WM qualifiziert?
Eigentlich gar nicht. Unter Bundestrainer Martin Heuberger verlor das Team beide Playoff-Spiele gegen Polen (24:25; 28:29). Doch der Weltverband IHF vergab eine Wildcard an die DHB-Auswahl als bestes Team der WM 2013, das sich nicht qualifizierte. Deutschland hatte in Spanien Platz fünf belegt.

Wie kam es zu dieser Wildcard?
Die IHF hat Australien ausgeschlossen. Dies tat sie mit der Begründung, dass Ozeanien keinen anerkannten Kontinentalverband hat. Dies sei den Australiern bereits vor den für ungültig erklärten Qualifikationsspielen mitgeteilt worden. Das Verfahren ist jedoch nicht nur wegen seiner Intransparenz umstritten. Schließlich hatte Australien zuvor an sieben WM teilgenommen (1999 sowie 2001 bis 2013).

Worum geht es bei dieser WM?
In erster Linie natürlich um den Weltmeister-Titel. Zugleich aber haben auch die folgenden Plätze eine große Bedeutung. Denn neben dem Titelträger qualifizieren sich auch der Zweite und Dritte für die kommende WM 2017 in Frankreich. Sollten die Franzosen das Halbfinale erreichen, sind es gar die ersten vier. Zudem steht Olympia auf dem Spiel. Der Weltmeister ist 2016 in Rio dabei. Die Teams auf den Rängen zwei bis sieben qualifizieren sich für Ausscheidungsturniere. "Platz sieben wäre optimal. Einen olympischen Platz nehme ich immer", sagte Bundestrainer Dagur Sigurdsson.

Welche Ziele hat das deutsche Team?
Offiziell heißt es, das Achtelfinale sei Pflicht. Doch intern ist auf jeden Fall der siebte Rang im Visier, um für Olympia in Rio nicht den vagen Weg über die EM 2016 einschlagen zu müssen.

Nach welchem Modus wird gespielt?
Die 24 Mannschaften spielen zunächst in den vier Gruppen A bis D die Vorrunde aus. Danach folgt die K.o.-Phase: Die jeweils ersten vier Teams erreichen das Achtelfinale. Dort geht es mit Überkreuzvergleichen der Staffeln A/B und C/D weiter. Die Sieger kommen ins Viertelfinale, die Verlierer fahren heim. Die Viertelfinal-Gewinner ziehen ins Halbfinale ein, die Unterlegenen spielen in der Platzierungsrunde um die Ränge fünf bis acht. Die acht Mannschaften, die das Achtelfinale verpassen, spielen im Presidents Cup um die Ränge 17 bis 24.

Wer sind die Favoriten auf den Titel?
Nach Experten-Meinungen kommt nur ein Quartett für Gold infrage: Titelverteidiger Spanien, Olympiasieger Frankreich, der WM-Zweite Dänemark und der WM-Dritte Kroatien. "Das sind die klassischen Favoriten. Und von diesen vieren sage ich: Dänemark", meinte Bundestrainer Sigurdsson.

Welche Spieler des SCM sind dabei?
Mit Jannick Green steht ein Magdeburger im Tor eines der Titelfavoriten: Dänemark. Matthias Musche tritt zum Auftakt der deutschen Mannschaft am Freitag (17 Uhr) gegen Polen sogleich gegen seine Club-Gefährten Andreas Rojewski und Bartosz Jurecki an. Robert Weber träumt mit Österreich vom Einzug ins Achtelfinale. Und Marko Bezjak und Jure Natek wollen mit Slowenien sogar unter die besten acht.

Welche Besonderheiten gibt es bei der WM in Katar?
Zum ersten Mal seit 1958 wird bei den Männern eine WM in nur einer Stadt - Doha - ausgetragen. Zuletzt hatte es das bei den Frauen 2005 in St. Petersburg geben. Alle Spiele finden in nur drei Hallen statt: Ali Bin Hamad Al Attiya Arena (7700 Zuschauer), Lusail Multipurpose Hall (15 300) und Duhail Sports Hall (5500). Alle Hallen wurden für die Weltmeisterschaft neu gebaut - die Kosten sollen geschätzte 228 Millionen Euro betragen haben. Bei der WM sind mit 15 so viele Teams aus Europa vertreten wie noch nie. (dpa/dh)