Magdeburg l Es gab Erdbeertörtchen mit Keksboden und eine große Tasse Kaffee. Er erzählte, und er lachte. Er fläzte sich in den opulenten Sessel im Café am Magdeburger Hasselbachplatz. "Ich bin fit", sagte Marcel Hacker, der Vorruderer des SC Magdeburg. "Die Meisterschaften können kommen."

Ab Freitag startet er den Angriff auf seinen zehnten nationalen Titel beim Frühtest der deutschen Ruderer auf dem Brandenburger Beetzsee. Es ist zugleich die Qualifikation für die Weltmeisterschaft in Aiguebelette (Frankreich) Anfang September. Auf dem offenen Gewässer sind die Bedingungen unbeständiger als auf anderen Regattastrecken. "Das ist mir völlig egal", meinte Hacker. "Es ist eine besondere Aufgabe, der wir uns stellen" - verbunden mit einem besonderen Risiko.

Hacker und sein Trainer Roland Oesemann haben bereits vor Wochen folgendes Ziel verkündet: Der 37-Jährige will mit sechs Sekunden Vorsprung auf den Zweiten gewinnen, erst dann fährt er auch den Einer bei der WM - seinen Einer, in dem er schon bei den Sommerspielen in Sydney 2000 Bronze gewann oder in dem er 2002 Weltmeister wurde. Aber warum müssen es ausgerechnet sechs Sekunden sein? "Das hat unsere Analyse ergeben", erklärte Hacker. "Dann kann ich auch auf internationalem Niveau in der Spitze mitfahren."

Bundestrainer Marcus Schwarzrock hat seinen Skuller-Kader bereits über Hackers Vorhaben informiert. Man kann sich leicht ausmalen, wie die Athleten die Miene verzogen. Den Einer auf internationaler Bühne zu steuern (und dies mit Aussicht auf Erfolg), traut sich kaum einer zu. Seit Jahren sind Ondrej Synek (Tschechien) und Mahé Drysdale (Neuseeland) die maßgeblichen Akteure und alle anderen ihre Jäger. Auch Hacker. Sie einzuholen, ist seine Passion, Hoffnung und Motivation: Hacker will bei seinen dann fünften Olympischen Spielen 2016 Gold gewinnen.

"Natürlich wäre ich traurig, wenn ich die sechs Sekunden nicht schaffe", sagte er, "aber das wäre dann in Ordnung. Ich würde mich für die Bildung eines Mannschaftsbootes zur Verfügung stellen." Bei der Bildung des Vierers nämlich.

Hacker hat in der Vergangenheit den deutschen Meistertitel oft genug auch deutlich genug gewonnen. Beispiele: 2002 waren es mehr als sechs, 2008 mehr als fünf, 2014 genau 2,15 Sekunden Vorsprung. In Vorbereitung auf die Titelkämpfe in diesem Jahr "haben wir an der Stabilität des Schlages gearbeitet", berichtete er. Aber es gibt natürlich keinen Test, der die anvisierten sechs Sekunden planbar macht. Dass sie zu schaffen sind, sagt dem Hünen allein sein Gefühl. Ein positives hat er beim Ergometer-Test zuletzt in Leipzig erhalten, als er in 5:51,1 Minuten über 2000 Meter zur neuen Bestzeit fuhr. Hacker: "Ich finde es entspannend, wenn ich mich in meinem Alter noch verbessern kann."

Die Geschichte auf dem Beetzsee kann auch nach hinten losgehen. Wenn Hacker sein Ziel nicht erreicht, der Bundestrainer ihn aber auch nicht im Vierer sieht, "weil ich dafür nicht anpassungsfähig sein könnte", so Hacker, "dann fahre ich vielleicht nur als Ersatzmann zur WM. Auch das kann passieren, es gibt für nichts eine Garantie." Genau deshalb zählt in Brandenburg nicht der zehnte Titel für Hacker, sondern nur der Vorsprung, mit dem er ihn gewinnt.