Herrenkrug. Nach der Großkontrolle des Stadtordnungsdienstes auf dem Nachtflohmarkt in den Messehallen am vergangenen Sonnabend kochen die Emotionen bei den Händlern hoch.

"Wir haben einen Vertrag mit dem Veranstalter geschlossen, in dem steht, dass wir bis 23 Uhr dort verkaufen müssen und 100 Euro Standmiete gezahlt. Wer eher abbaut, brauche sich hier nicht mehr blicken lassen, wurde uns vom Veranstalter auf einem früheren Nachtflohmarkt per Megafon durchgesagt. Als jetzt das Ordnungsamt kam und gesagt hat, wir müssen 20 Uhr abbauen, sind wir aus allen Wolken gefallen", schimpft Antiquitätenhändler Frank-Michael Klokowski. Er ging davon aus, dass der Veranstalter alles rechtmäßig angemeldet habe. "Hätte ich das gewusst, hätte ich mich da nicht hingestellt", sagt er und bezeichnet das Auftreten der Mitarbeiter des Stadtordnungsdienstes als "bürokratisch und unfreundlich". Diese Einschätzung teilten gegenüber der Volksstimme weitere Händler und Besucher.

Mit sieben Mitarbeitern war der Dienst am Sonnabend vor Ort und hatte 199 Stände kontrolliert. "Der Einsatz diente dazu, sich erstmals einen Gesamtüberblick zu verschaffen", erklärt Stadtordnungsdienstchef Gerd vom Baur. Bis auf Stichproben sei der Nachtflohmarkt noch nie umfassend kontrolliert worden, und neben der Suche nach Hehlerware, Plagiaten und verfassungsfeindlichen Symbolen sollten die städtischen Mitarbeiter im Auftrag der Gewerbebehörde vor allem kontrollieren, wie viele der Händler vor Ort gewerblich gemeldet sind und wie viele privat verkaufen. Tatsächlich wurde festgestellt, dass die Mehrzahl der Händler faktisch gewerblich verkauft und nicht privat, wie vom Veranstalter angegeben.

Der hat eine andere Sicht auf die Dinge. "Natürlich verkaufen mehr als 50 Prozent der Händler gewerblich. Deshalb bemühen wir uns seit Jahren um eine Marktgenehmigung, bekommen sie aber nicht", sagt Robert Mühle vom Projektzentrum Dresden, das in ganz Ostdeutschland Nachtflohmärkte organisiert.

"Wie ein Elefant im Porzel-lanladen" sei das Ordnungsamt am Sonnabend aufgetreten. "Wir haben nichts zu verheimlichen, aber diese Art und Weise sind wir nicht gewohnt", bedauert er. Seiner Meinung nach wiege die Vereinbarung zwischen Händler und Veranstalter schwerer als die Anordnung des Stadtordnungsdienstes.

Und wenn Händler eher abbauen, sei das ein Betrug am Eintritt zahlenden Besucher. Mit den Mitarbeitern des Ordnungsamtes vor Ort habe er sich deshalb darauf geeinigt, dass niemand abbauen müsse, so Mühle. Nun soll die Sache im Nachgang geklärt werden. "Kontrollen müssen sein, aber nicht so. Das war viel Panikmache um wenig Konkretes", bedauert Robert Mühle. Das sieht wiederum Gerd vom Baur anders: "Natürlich zählt, was wir anordnen. Wir haben aber darauf verzichtet, dass die Händler abbauen", sagt er zu den Vorwürfen. Außerdem sei es für eine Ordnungsbehörde vollkommen üblich, sich bei Kontrollen nicht vorher anzumelden.

Vom Baur schlägt aber versöhnliche Töne an: "Natürlich will die Stadt den Nachtflohmarkt als größten Markt in Sachsen-Anhalt erhalten und fördern. Einer Marktfestsetzung steht eigentlich nichts im Wege, ohne dass ich da etwas vorwegnehmen will", sagt er. Aber wenn hier mehrheitlich nicht nur Privatleute ihren Dachboden oder Keller leerräumen, sondern Profis Trödel verkaufen, dann müssten eben auch Sozialabgaben fließen.

"Die Ehrlichen sind meist die Dummen", kommentiert Antiquitätenhändler Klokowski resigniert. Er ist 20 Jahre im Geschäft, kennt die hiesige Flohmarkt-Szene gut und geht davon aus, dass 90 Prozent der Händler auf dem Nachtflohmarkt mehr tun als nur ihren Dachboden zu entrümpeln. Aber nur ein Bruchteil wie er habe auch ein angemeldetes Gewerbe. "Ich zahle Steuern und muss dann eben andere Preise nehmen als jemand, der sein Arbeitslosengeld II schwarz aufstockt", wird Klokowski deutlich. Dass der Stadtordnungsdienst diesen schwarzen Schafen auf der Spur ist, findet er in Ordnung, wünscht sich jedoch eine schnelle Lösung im Sinne der Gewerbetreibenden.

   

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