Die ersten Vorboten des Gleisbaus an der Leipziger Chaussee sind seit Beginn der Woche unübersehbar: Am Straßenrand hat die Axt das Kommando übernommen. Die Freimachung der künftigen Trasse begeistert nicht jeden. Doch nach Ansicht der MVB ist der radikale Rückschnitt ebenso notwendig wie genehmigt.

Leipziger Straße/Reform. Volksstimme-Leser Detlef Leue, Anwohner der SKL-Siedlung, war zwar mit Blick auf den Trassenbau vor der eigenen Haustür auf einiges gefasst - nicht aber auf das, was sich derzeit an der Leipziger Chaussee (zwischen Planetenweg, Straße C/Milchstraße) abspielt: "Die Bäume werden völlig unkoordiniert gefällt. Das ist willkürlicher Radikalschnitt mit der Kettensäge." Er habe eiligst mit Oliver Wendenkampf vom Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND) telefoniert und erfahren, dass "die Bäume vor der Fällung eigentlich gekennzeichnet werden müssen": "Nur so wissen doch die Arbeiter vor Ort, welche gefällt werden sollten. Doch hier ist das nicht erfolgt." Da er fürchtet, dass bald kein Baum mehr steht, haben seinen Angaben zufolge Anwohner Strafanzeige bei der Polizei gestellt.

Die Redaktion eilte umgehend vor Ort und fand dort zahlreiche Schilder an Bäumen vor. An vielen steht das Wort "Stehenbleiber", an anderen das Wort "Umwurzeler".

Auf Nachfrage der Redaktion, sagt Birgit Münster-Rendel von der MVB GmbH: "Herr Leue hat sich inzwischen auch bei uns im Haus gemeldet. Die Baumfällarbeiten entlang der Leipziger Chaussee sind ebenso wie alle anderen entsprechenden Maßnahmen im Bauabschnitt 3 der 2. Nord-Süd-Verbindung Bestandteil des uns vorliegenden Planfeststellungsbeschlusses. Im Rahmen des Planfeststellungsverfahrens wurde der BUND ebenso wie andere Träger öffentlicher Belange mit angehört."

Sie beteuert, dass "die Arbeiten nach festen Plänen erfolgen". Vor Beginn der Rodungsarbeiten sei das Baufeld mit dem von den MVB beauftragten Planer und der beauftragten Firma vollständig begangen worden: "Sowohl die zu fällenden Bäume als auch die nicht zu fällenden Bäume sind gekennzeichnet. Besonders auffällig haben wir für alle Anwohner und interessierten Bürger die Bäume, die stehen bleiben (Stehenbleiber) und die Bäume, die umgepflanzt werden (Umwurzeler) mit einem MVB-Schild gekennzeichnet."

Entlang der Leipziger Chaussee bleiben 159 Bäume stehen und 17 werden in den Quartierspark Neu-Reform verpflanzt. Allerdings müsse der Bereich zwischen Planetenweg und Milchstraße nahezu komplett beräumt werden, so Birgit Münster-Rendel.

Im Gegenzug würden 101 Bäume als Ausgleichsmaßnahme und 73 Bäume als Ersatzmaßnahme gepflanzt. Diese Arbeiten sind nach Abschluss der Bauarbeiten in Abhängigkeit von der Pflanzperiode geplant. Die Bautätigkeit ist auf den unmittelbar dafür erforderlichen Bereich beschränkt.

Insgesamt sind die MVB verpflichtet worden, auf ca. 16 Hektar Fläche Ausgleichsmaßnahmen auf eigene Kosten vorzunehmen. Birgit Münster-Rendel: "Und daran halten wir uns."

 

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