Vier Wochen noch, dann sollen sich die Magdeburger Eltern über die neue Kita-Platz-Datenbank stadtweit einen Krippen-, Kita- oder Hortplatz suchen und reservieren können. Die gute Nachricht: Trotz Auseinandersetzungen zwischen Jugendamt und Trägern verschiebt sich der Start nicht nach hinten, die meisten Träger und Kitas werden mit dabei sein.

Magdeburg. Ein Happy End sei "absehbar", sagte Jugendamtsleiter Detlev Klaus gestern der Volksstimme. Aktuell geht er davon aus, dass zum Start der Reservierungsfunktion 22 von 30 Trägern mit 120 von 130 Magdeburger Kindertageseinrichtungen dabei sind. Mit Blick auf die fehlenden acht Kitas sagte Klaus: "Da gibt es keine Verweigerer. Das Jugendamt und die KID (Kommunale Informationsdienste GmbH, die hundertprozentige Stadttochter sorgt für die Umsetzung der Software, die Red.) prüfen zurzeit nur noch die Daten dieser Träger, da fehlen noch Informationen", erklärt Klaus. Wenn die Datenbank sich für die Eltern öffne, so Klaus, müssten alle betreuten Kinder der Stadt samt Betreuungszeitraum tagaktuell eingetragen sein. Nur dann gibt die Suchmaschine verlässliche Informationen aus (siehe Infokasten).

Über die zweite Baustelle, eine von den Trägern geforderte Software-Schnittstelle, soll weiter verhandelt werden. Stadtmission, Kita-Gesellschaft, Johanniter und die meisten anderen Träger nutzen zur Verwaltung ihrer Einrichtungen nämlich eine eigene Software und hätten doppelten Aufwand, wenn sie diese und die städtische Datenbank pflegen. Deshalb forderten sie, dass die Stadt ihnen eine Schnittstelle bereitstellt bzw. finanziert. Das Jugendamt hatte das abgelehnt. In der vergangenen Woche trafen sich die Beteiligten deshalb zu weiteren Verhandlungen.

"Wir sind in keinster Weise die Bremser", stellte Klaus Roth, Vorstandvorsitzender der Stiftung ev. Jugendhilfe St. Johannis, gegenüber der Volksstimme klar. Der größte in der Stadt aktive Träger habe den Bedarf an einer Softwareschnittstelle schon im August 2010 angemeldet. Die Stiftung nehme den Doppelaufwand erstmal für eine begrenzte Zeit hin. Der eigene Software-Hersteller werde nun einen Kostenvoranschlag machen, dann soll verhandelt werden, wer die Programmierung bezahlt. "Wir gehen davon aus, dass die Stadt die Finanzierung regelt", macht Klaus Roth seine Position deutlich. "Die Technik soll uns die Arbeit erleichtern, nicht erschweren", bringt er die Meinung der Träger auf den Punkt.

"Der Aushandlungsprozess läuft", bestätigt Detlev Klaus. Er sieht die Kosten für die Schnittstelle mit der Verwaltungspauschale abgegolten, die die Träger im Rahmen ihrer Finanzierung aus öffentlichen Mitteln erhalten. Zuerst gebe es einen Mehraufwand, aber später hätten die Träger durch die Datenbank Zeitersparnisse, die das aufwiegen.

Elternvertreter beobachten die Auseinandersetzung zwischen Jugendamt und Trägern indes kritisch. "Bei den Eltern gibt es eine ganz große Unsicherheit", berichtet Bernd Galetzka, Vorsitzender des Stadtelternbeirates. Bei ihm klopfen die Eltern an, die so schnell wie möglich einen Kita-Platz brauchen. Seiner Erfahrung nach wissen sie nicht, wann und wie die Datenbank funktioniert und fühlen sich von Trägern und Jugendamt uninformiert. "Wir begrüßen den Service der Datenbank grundsätzlich, es nutzt den Eltern jedoch nichts, wenn sie in Süd wohnen und die Software anzeigt, dass in Nord noch ein Kita-Platz frei ist", sagt Galetzka. Bei Engpässen steuere das Jugendamt erfreulicherweise mit Tagesmüttern gegen, doch viele Eltern wissen laut Bernd Galetzka nicht, dass sie den Kitas gleichgestellt sind. Er sieht Amt und Träger in der Pflicht, aktiver an die Öffentlichkeit zu gehen.

Eltern, die aktuell erfolglos auf Betreuungsplatzsuche sind und in der gewünschten Einrichtung eine Absage bekommen haben, werden in jedem Fall vom Vermittlungsservice des Jugendamtes unterstützt. Er ist dienstags 14 bis 17.30 Uhr unter Tel. 5 40 31 31 erreichbar.

   

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