Bereits in der Nacht zu heute bzw. am frühen Morgen soll der Scheitel an der Strombrücke mit 6,30 Meter erreicht werden. Das Hochwasser rangiert damit auf dem zweiten Platz nach der Jahrhundertflut 2002. Größere Schäden sind bisher noch nicht gemeldet worden. Aber an vielen Stellen der Stadt steht das Wasser sehr hoch – nur wenige Zentimeter unter der Überflutungsgrenze, so in der Oststraße und am Sarajevo-Ufer. Mit einem Rückgang der Flut ist erst ab dem Wochenende zu rechnen.

Magdeburg. Die Feuerwehr und die Städtischen Werke haben gestern Abend damit begonnen, das Drängwasser aus dem Polder am geschlossenen Flughafensiel am Ehlegrund in den Umflutkanal abzupumpen. "Wir wollen damit die Gräben entlasten", erklärte gestern der Leiter des Stabes für außergewöhnliche Ereignisse Holger Platz. Weiterhin werde das Regenrückhaltebecken am Cracauer Anger zur Furtlake hin geschlossen, um einen Rückfluss des vom Landesbetrieb für Hochwasserschutz abgepumpten Wassers zu verhindern. "Wir würden ansonsten im Kreis pumpen und das macht ja keinen Sinn", sagte Platz.

Bei den bereits aufgebauten Sandsackbarrieren Im Siek und am Sarajevo-Ufer gab es gestern keine Auffälligkeiten, so der Einsatzleiter. Die Oststraße und die Bleckenburgstraße werde gegenwärtig beobachtet, da dort das Wasser kurz vor dem Überlaufen steht. Eine Sandsackbarriere mache sich dort aber noch nicht erforderlich.

In Alt-Salbke musste gestern Nachmittag ein Wohnhaus mit einem Sandsackwall geschützt werden, da dort das Wasser drohte in die Keller zu laufen.

Nach Angaben von Frank Goreczka von der Hochwasservorhersagezentrale werde heute der Scheitel erwartet, der längere Zeit bleiben wird. Mit einem leichten Rückgang der Flut werde erst ab dem Wochenende gerechnet.

Der Leiter des Stabes Holger Platz warnte deshalb gestern: "Das Wasser wird in den kommenden Tagen erst langsam zurückgehen, aufgrund der starken Strömungen besteht weiterhin ein hohes Risiko an der Elbe."

Das Betreten der Deiche bleibe weiterhin verboten. Die Einsatzkräfte haben deshalb alle Zugänge abgesperrt. Wer die Deiche trotz des Verbotes betrete, erhalte einen Platzver weis und müsse mit einem Ordnungsgeld rechnen. In 23 Fällen mussten die Ordner gestern schon einschreiten.

Die Einsatzkräfte appellieren außerdem vor allem an Hundebesitzer, in der Hochwasserzeit ihren Vierbeiner grundsätzlich auch außerhalb der Stadt anzuleinen, auch wenn dies dort formell erlaubt ist. Der Grund: Der Lebensraum der Wildtiere ist durch die Überschwemmungen massiv eingeschränkt worden. Es kam bereits in den vergangenen Tagen zu Zwischenfällen.

So hatte sich ein Hund im Stadtpark am Sonntag losgerissen und zwei Rehe im Bereich der "Württemberg" gejagt. Während das eine Tier nur noch tot aus dem Strom geborgen wurde, konnte das andere von der Feuerwehr gerettet werden. Es musste aber später aufgrund des schlimmen Zustandes ein geschläfert werden. Im Übrigen sei es auch für die Hunde sicherer, wenn sie an der Leine sind. Sie könnten selbst in der starken Strömung abtreiben.

Tierische Hochwasserhilfe leistete gestern auch der Magdeburger Zoo. Er nahm drei grüne Meerkatzen aus dem Tiergarten Bernburg auf. Diese waren dort von der Flut betroffen. Der Aufenthalt dieser Affengruppe soll aber nur von kurzer Dauer sein.

Die digitale Anzeige des Pegels Strombrücke sorgte gestern für Verwirrungen. Der Grund: Er zeigte zeitweise höhere Werte an als die offiziell gemeldeten. Ein Mitarbeiter des Wasserund Schifffahrtsamtes erklärte, dass normalerweise auch an der Anzeigetafel der errechnete Mittelwert von 15 Minuten Messzeit gezeigt wird. Durch die Bauarbeiten werde aber nur der tatsächliche Wert angezeigt, der von Wellen und Verwirbelungen beeinflusst und verfälscht ist.

   

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