Hamburg (dpa) - "I’ll get back to you someday soon", hatte Robin Pecknold, Lead-Sänger und Songschreiber der Fleet Foxes, auf dem Titeltrack des Grammy-nominierten Vorgängeralbums "Helplessness Blues" noch angekündigt.

In den vorausgehenden Zeilen hatte er mit einem Leben als "funktionierendes Rad" in einem größeren Getriebe geliebäugelt - einer Existenz im maximalen Kontrast zu seinem Dasein als Frontmann ebenjener Indie-Schrägstrich-Folk-Sensation, die in puncto Verkäufen mit ihren ersten beiden Alben gleich zweifach die Millionengrenze gesprengt hatte, ohne es überhaupt darauf angelegt zu haben.

Zur Freude der internationalen Indie-Szene hat sich Pecknold nach einigen Semestern Studium an der Columbia University und privater Sinnsuche offenbar bis auf Weiteres gegen das Dasein als Zahnrad und für das Musikmachen entschieden. Nun erscheint mit "Crack Up" das dritte Album der kauzigen Amerikaner. Und was die fünf Männer darauf abliefern, knüpft genau dort an, wo die Fleet Foxes vor sechs Jahren aufgehört haben.

Auch auf "Crack Up" warten wieder Klangteppiche, sphärische Gesänge, Harfen und gezupfte Gitarrenklänge, wird das Hörerlebnis schnell zur Meditation. Schon einen Monat vor der geplanten Veröffentlichung kursierten die ersten Kopien des lang erwarteten Albums im Netz. "Es wurde geleakt, weil die Leute es haben wollen", analysierte Gitarrist Skye Skjelset, der mit Pecknold seit dem Teenager-Alter Musik macht, damals trocken in einem Interview der "New York Times".

Sechs Jahre Pause: Es war auch die Folge eines Schaffensprozesses, der alle Beteiligten an die Grenzen gebracht hatte, einer einseitigen Fixierung insbesondere Pecknolds auf seine musikalische Vision. Zugleich litt der Frontmann an einer Krankheit, die er nicht näher thematisieren will, und stand vor den Trümmern einer langjährigen Beziehung.

Auch solch niederschmetternde Erlebnisse klingen auf dem Album durch. Das gilt beispielsweise für den Titel "Fool's Errand": "Blind love couldn't win, as the facts all came in", singt Pecknold da über das Ende einer Liebe und die Desillusionierung, die der Erkenntnis vom Ende folgt. Trotzdem transportiert das Lied vor allem Wärme und Hoffnung. Ich werde dem Wind wieder nachjagen, "I know I'll again chase after wind", folgert er. Denn der Weg, auch zu einer niederschmetternden Erkenntnis, wird durch ein verfehltes Ziel nicht wertlos.

Es ist ein Wille zur sinntiefen Reflexion, der sich durch das gesamte Album zieht und sich auch in einer geänderten Herangehensweise der Band zeigt. Zwar fanden die Aufnahmen wie schon beim Vorgänger in verschiedenen Studios in den USA statt. Anders als bei den früheren Alben waren jedoch alle Bandmitglieder von Anfang an in die Entstehung der Lieder eingebunden. In der Frühphase teilte Pecknold den anderen seine Gedanken zum Album mit und was ihn sonst beschäftigte - und die ließen über Google Docs ihre eigenen Ideen einfließen.

Das Resultat erschließt sich nicht ganz so schnell wie die Vorgänger. Bei Titellängen von bis zu neun Minuten ("Third of May / Odaigahara") ist offenkundig, dass sich die Gruppe nur begrenzt an den formalen Ansprüchen von Radiostationen orientiert und stattdessen die eigene musikalische Idee zum Maßstab gemacht hat.

Sich darauf einzulassen lohnt: Es wartet ein Album mit vielen Schichten, die sich teils erst bei mehrmaligem Hören offenbaren. Zeit genug, sich mit der neuen Platte auseinanderzusetzen und textsicher zu werden, dürfte den Fans auch diesmal bleiben. Erst gegen Ende des Jahres kommt die Band für drei Konzerte nach Deutschland.

Tourdaten: 12.11.2017 Hamburg - Docks, 13.11.2017 Berlin - Columbiahalle, 01.12.2017 Köln - Live Music Hall

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