Berlin (dpa) - Erinnert sich noch jemand an Hawkwind? Die 1969 gegründete Band gilt als Begründer der Psychedelic-Rock-Variante "Space Rock", ihr großer Hit "Silver Machine" (1972) ließ meist zu später Stunde Partygänger förmlich abheben. Jetzt taucht mit Hookworms ein würdiger Nachfolger auf.

Es mag noch Zufall sein, dass sich der Bandname dieser fünf Briten aus Leeds recht ähnlich anhört wie der ihrer Landsleute Hawkwind. Aber spätestens die beiden ersten Tracks ihres dritten Studioalbums "Microshift" (Domino) zeigen deutlich, in welcher Traditionslinie sich JN, JW, MB, MJ und SS (so nennen sich reichlich mysteriös die fünf aktuellen Hookworms-Mitglieder) selbst einordnen.

"Negative Space" und "Static Resistance" sind hypnotisch treibende Psych-Rock-Bretter mit viel Gitarrenwucht, voluminösem Georgel und flirrenden Keyboard-Effekten, wie Hawkwind sie kaum eindrucksvoller in ihr umnebeltes Publikum hätten schicken können. "Ullswater" fügt anschließend noch eine ordentliche Dosis Krautrock-Motorik und Pop-Eingängigkeit hinzu - man kann sich gut vorstellen, wie so etwas in der Indie-Disco abgeht.

Die helle Stimme von Sänger MJ droht in diesem Mahlstrom zwischen Krach und Melodie bisweilen unterzugehen, aber der Mann hält sich tapfer. In der sphärischen Ballade "The Soft Season" und im nahtlos anschließenden Achtminüter "Opener" sind die Hookworms dann nicht nur nahe am epischen Klang der schon erwähnten Genre-Veteranen Hawkwind, sondern auch aktuell einflussreicher Bands wie The War On Drugs oder LCD Soundsystem.

"Microshift" wird derzeit bereits als eines der prägenden Alben dieses noch jungen Jahres gefeiert. Dafür mag es etwas zu früh sein - nach den kaum über Insiderkreise hinausgekommenen Hookworms-Vorgängern "Pearl Mystic" (2013) und "The Hum" (2014) ist diese Platte aber auf jeden Fall ein Aufbruch zu neuen Ufern.

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