Potsdam (dpa). Erstmals seit 2007 ist in Brandenburg wieder ein Fall von BSE (bovine spongiforme Enzephalopathie) bei einem Rind nachgewiesen worden. Wie das Umweltministerium am Freitag in Potsdam mitteilte, hatte das betroffene Tier aus dem Landkreis Oder-Spree keine Anzeichen einer klinischen Erkrankung. Es ist geschlachtet und Anfang Januar 2014 einem Schnelltest unterzogen worden. Da dieser positiv ausgefallen sei, wurden die Behörden eingeschaltet. Das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) auf der Ostseeinsel Riems bestätigte jetzt den Befund als atypische BSE. BSE ("Rinderwahnsinn") kann zu schwammartigen Veränderungen des Gehirns führen.

"Diese (atypische) Form ist eine äußerst seltene Erkrankung, die im Gegensatz zur klassischen BSE nur bei älteren Tieren und spontan entsteht", erklärte Landestierarzt Klaus Reimer am Freitag. Deshalb sei auch in Zukunft mit vereinzelten Fällen zu rechnen. Der Landkreis Oder-Spree habe bereits alle notwendigen Maßnahmen eingeleitet.

Das geschlachtete Tier wurde fachgerecht entsorgt und der Schlachthof desinfiziert. Die Herde, aus der das betroffene Tier stammte, steht unter Quarantäne. Die notwendigen epidemiologischen Ermittlungen, wie und wo sich das Tier angesteckt haben könnte, sind eingeleitet worden. Da eine Infizierung von Tier zu Tier als unwahrscheinlich gilt, werde jetzt unter anderem das Futter kontrolliert.

Generell werden im Rahmen des Verbraucherschutzes bei der Schlachtung von Rindern Risikomaterialien wie Hirn und Rückenmark entfernt und fachgerecht vernichtet. An allen über achtjährigen Schlachttieren werden darüber hinaus BSE-Schnelltests durchgeführt.

In Brandenburg wurden in der Vergangenheit 17 klassische BSE-Fälle im Zeitraum von 2001 bis 2006 nachgewiesen. Deutschlandweit wurde nach Angaben des brandenburgischen Landestierarztes 2009 die letzten kranken Tiere gemeldet. Von 2001 bis 2009 wurden nach Angaben des Bundeslandwirtschaftsministerium mehr als 400 Fälle registriert.

Die Tierseuche wurde erstmals 1986 in Großbritannien festgestellt. Hauptursache für die Übertragung der klassischen BSE ist nach derzeitigen Erkenntnisstand die Verfütterung von kontaminiertem Tiermehl. In Deutschland könnte die Infektion nach Angaben des Ministeriums auch auf Milchaustauschfutter zurückzuführen sein.

Nach Angaben des FLI könnten auch in Zukunft einzelne atypische BSE-Fälle bei Rindern auftreten, die nicht im Zusammenhang mit der Verfütterung infektiöser tierischer Produkte stehen.