Hamburg - In Kinderkleidung finden sich schädliche Chemikalien - auch bei teuren Marken. Das ist das Ergebnis einer Stichprobe der Umweltschutzorganisation Greenpeace. Gesundheitsgefahr für den Träger bestehe nicht - wohl aber eine für die Umwelt.

Bei der Untersuchung von 82 Kleidungsstücken für Kinder hat die Umweltschutzorganisation Greenpeace zahlreiche schädliche Chemikalien nachgewiesen. Sowohl in Kinderschuhen und Sportkleidung als auch in Edeltextilien bekannter Hersteller wurden Weichmacher (Phthalate) und andere hormonell wirksame Substanzen sowie als krebserregend geltende Stoffe gefunden. In den gemessenen Konzentrationen seien sie für den Verbraucher zwar nicht gesundheitsgefährdend, sagte Greenpeace-Sprecherin Carolin Wahnbaeck am Dienstag (14. Januar). Problematisch für die Umwelt sei aber die Produktion: Flüsse und Trinkwasser in den Herstellungsländern würden verunreinigt.

"Bei allen zwölf Marken haben wir verunreinigte Kleidung gefunden", sagte Wahnbaeck. Greenpeace hatte für die Analyse im Mai und Juni 2013 in rund zwei Dutzend Ländern Textilprodukte erworben, sechs davon in Deutschland. Die Ergebnisse bestätigten die Befürchtung, dass der Einsatz schädlicher Chemikalien bei der Fertigung von Kinderkleidung noch immer verbreitet ist.

"Teure Klamotten sind nicht sauberer produziert als billige", sagte Greenpeace-Chemieexperte Manfred Santen. Bei den Analysen wurden bei mindestens einem Produkt jeder Marke Nonylphenolethoxylate (NPE) nachgewiesen. In jedem Artikel wurde mindestens eine per-/polyfluorierte Verbindung (PFC) entdeckt. Mit solchen Substanzen wird Kleidung wasser- und schmutzabweisend gemacht.

Die analysierten Substanzen gelten nach Angaben des Umweltbundesamtes als besonders besorgniserregend. "NPE beispielsweise dürfen bei der Kleidungsproduktion in Europa de facto nicht verwendet werden", sagte Umweltbundesamts-Expertin Brigitte Zietlow. "Das hat einfach in Kinderklamotten nichts zu suchen", sagte Santen. Für viele der nachgewiesenen Chemikalien gebe es bereits Ersatzstoffe.

Einige PFC können nach Greenpeace-Angaben das Immunsystem und die Fruchtbarkeit beeinträchtigen und zu Schilddrüsenerkrankungen führen. Zudem seien viele der Substanzen sehr langlebig. "Wir finden PFC mittlerweile überall, sie wurden in der Muttermilch, aber auch in Pinguinen in der Antarktis nachgewiesen", sagte Wahnbaeck.

Nach Angaben des Bundesinstituts für Risikobewertung sind PFC sehr stabil und aufgrund ihres breiten Einsatzes inzwischen überall in der Umwelt nachzuweisen. "Sie haben eine lange Halbwertszeit im menschlichen Organismus und können sich daher anreichern", sagte eine Sprecherin. Der Eintrag in die Umwelt müsse deshalb minimiert werden.

Bei Kinderbekleidung mit sogenannten Plastisol-Aufducken fanden die Tester in 33 von 35 Mustern Phthalate. Ein in Deutschland verkauftes T-Shirt enthielt demnach elf Prozent der Weichmacher. In einem Badeanzug eines deutschen Sportartikelherstellers wurde die als krebserregend geltende Perfluoroctansäure (PFOA) in einer Konzentration gefunden, die den vom Hersteller selbst gesetzten Grenzwert um das Fünfzehnfache überschritt. "Problematisch ist, dass es für Textilien so gut wie keine Höchstgrenzen gibt", sagte Santen.

Greenpeace hatte 2011 die Kampagne Detox initiiert, bei der Modemarken aufgefordert werden, Schadstoffe durch ungefährliche Substanzen zu ersetzen. Nach Angaben der Organisation haben sich bisher 18 Hersteller dazu verpflichtet, bis 2020 auf den Einsatz gefährlicher Chemikalien zu verzichten.

Die Industrie sei dabei zu handeln, sagte der Geschäftsführer des Bundesverbandes des Deutschen Textileinzelhandels, Jürgen Dax. "Made in"-Bezeichnungen seien wenig hilfreich. Unter Umständen könne "Made in Italy" draufstehen, die Kleidung aber trotzdem unter schlimmen Bedingungen in China produziert worden sein.

Eltern rät Greenpeace, Kleidung vor dem ersten Tragen gründlich zu waschen und auf Textil-Siegel beispielsweise vom Internationalen Verband der Naturtextilwirtschaft IVN zu achten.