Berlin - Die neue Präsidentin der Kultusministerkonferenz (KMK), Sylvia Löhrmann (Grüne), hat pauschale Kritik der Wirtschaft an mangelnder Ausbildungsreife der Schulabgänger zurückgewiesen.

Die Jugendlichen würden heute in der Schule nicht schlechter auf einen Beruf vorbereitet als früher, sagte die nordrhein-westfälische Schulministerin der Nachrichtenagentur dpa. Problem sei, dass die Betriebe in den vergangenen Jahren immer weniger Lehrstellen angeboten hätten. Auch wer keine Spitzennoten im Zeugnis habe, müsse die Chance auf eine Berufsausbildung erhalten.

Löhrmann übernimmt heute in Berlin turnusgemäß die KMK-Präsidentschaft von Sachsen-Anhalts Bildungsminister Stephan Dorgerloh (SPD). Sie ist die erste Grüne auf dem Vorsitz der Kultusministerkonferenz.

Klagen von Betrieben über die Qualität der schulischen Vorbildung nehme man ernst, sagte Löhrmann. "Deshalb führt Nordrhein-Westfalen als erstes Flächenland in Abstimmung mit der Wirtschaft derzeit das Programm "Kein Abschluss ohne Anschluss" ein." Die Schule müsse Kinder und Jugendliche gut auf die Anforderungen in Ausbildung und Beruf vorbereiten. "Aber Reformen müssen planvoll und mit langem Atem erfolgen", erklärte die Ministerin.

In der Kontroverse über die Zukunft des deutschen Bildungssystems warnte Löhrmann davor, Studium und Berufsausbildung gegeneinander auszuspielen. "Nicht "entweder oder", sondern "sowohl als auch" heißt die Devise." Es gebe weiterhin eine hohe Nachfrage nach beruflicher Ausbildung. "Und wir sollten uns freuen, dass es einen Trend zu immer besseren Abschlüssen gibt", sagte sie. Viele Unternehmen hätten sich bereits auf den demografischen Wandel eingestellt, und böten attraktive Ausbildungen an, "die eine gute Alternative zum Studium sind".

"Es muss wirklich nicht jeder studieren", sagte Löhrmann. "Die Berufswahl ist letztlich immer eine persönliche Entscheidung. Wichtig ist, dass ihr eine umfassende Orientierung und Beratung vorangeht. Denn Abbrüche gleich welcher Art demotivieren."