Berlin (egw) l Dass Kreuzschmerzen eine Zivilisationskrankheit sind, darf nach Erkenntnissen von Wissenschaftlern des Berliner Museums für Naturkunde bezweifelt werden. Wie sie herausfanden, plagte sich der eine oder andere schon vor Millionen Jahren damit herum.

Anzeichen dafür entdeckten die Forscher an deformierten Wirbelknochen des Krokodilsaurier genannten "Angistorhinopsis ruetimeyeri" in der Sammlung des Museums. Ihre Diagnose: Spondylarthropathie, eine Entzündung der Wirbelsäule, die das Tier ein Leben lang schmerzhaft beleitet haben dürfte. Beim Menschen ist Morbus Bechterew eine Variante dieses Leidens, bei dem die Wirbelsäule versteifen kann.

Der untersuchte Krokodilsaurier tummelte sich vor rund 220 Millionen Jahren in der Gegend von Halberstadt. Seine Überreste entdeckte um 1910 der Paläontologe Otto Jaekel in der Ziegelei-Tongrube der Firma Baerecke Limpricht. Wie Florian Witzmann vom Berliner Museum für Naturkunde auf Volksstimme-Anfrage informierte, ist die Tongrube "eine der wichtigsten Saurierfundstellen Europas". Neben den Dinosauriern wurden dort laut Witzmann auch Riesenamphibien, Schildkröten, Fische und eben die Krokodilsaurier genannten Phytosaurier gefunden. Viele der Funde gelangten ins Berliner Museum.

Die einem Krokodil sehr ähnlichen Saurier wurden drei bis sechs Meter lang und schwammen überwiegend im Wasser. Eigentlich die perfekte Rückentherapie. Warum es die Urtiere dennoch im Kreuz hatten, konnten die Berliner Forscher nicht klären.