Bonn - Die FDP will an diesem Sonntag auf einem Parteitag in Bonn ihre Strategie für die Europawahl festlegen. Die Abstimmung Ende Mai ist nach Ansicht von Parteichef Christian Lindner aber keine Schicksalswahl für die FDP, die nicht mehr im Bundestag vertreten ist: "Ich will bei der Europawahl ein achtbares Ergebnis erzielen. Unser Ziel bleibt die Rückkehr in den Bundestag im Jahr 2017", sagte Lindner der "Bild"-Zeitung. Am Samstag kam in Bonn die Führungsspitze zusammen, um das Treffen der über 600 Delegierten vorzubereiten.

Bei der Europawahl gilt in Deutschland eine Drei-Prozent-Hürde - vor fünf Jahren holte die FDP 11 Prozent. Zum Spitzenkandidaten soll in Bonn der Europa-Parlamentarier Alexander Graf Lambsdorff gewählt werden. Er ist ein Neffe des verstorbenen früheren Parteichefs und Wirtschaftsministers Otto Graf Lambsdorff. Für die weiteren vorderen Listenplätze werden Kampfabstimmungen erwartet.

Lindner grenzte sich erneut von der Euro-kritischen Partei AfD ab. "Europa braucht Realismus, keine rückwärtsgewandte Politik." Reformen in Brüssel seien aber dringend notwendig: "Weil Europa aus der Balance ist. Die großen Fragen - Datenschutz oder Energie - die muss Europa beantworten. Aber Europa soll mir nicht vorschreiben, welche Glühbirne ich in die Fassung schraube", sagte der 35-Jährige, der nach dem Wahldesaster im Bund den Vorsitz von Philipp Rösler übernommen hatte.

Der stellvertretende FDP-Chef Wolfgang Kubicki glaubt an ein Comeback seiner Partei bei der Europawahl. "Wir werden ein gutes Ergebnis erzielen. Für mich ist die Messlatte fünf plus", hatte er vor kurzem der Deutschen Presse-Agentur gesagt. Die FDP hatte Ende September mit 4,8 Prozent erstmals in ihrer Geschichte den Einzug in den Bundestag verfehlt.