Berlin - Treibt zu geringes Einkommen oder einfach der Wunsch, sich mehr leisten zu können, die Menschen in einen Zweitjob? Die Antwort liefert die Statistik nicht. Sie zeigt aber: Die Zahl derer, die mit einem Minijob etwas hinzuverdienen, hat sich seit 2003 mehr als verdoppelt.

Im Juni 2013 gingen fast 2,63 Millionen sozialversicherungspflichtig Beschäftigte noch mindestens einem Minijob nach. Zehn Jahre zuvor waren es noch knapp 1,16 Millionen. Im Juni 2012 gab es 2,57 Millionen Zweitjobber.

Das geht aus einer Stellungnahme der Bundesregierung zu einer Anfrage der grünen Arbeitsmarktexpertin Brigitte Pothmer hervor, über die zuerst die "Saarbrücker Zeitung" (Mittwoch) berichtet hatte. Nach deren Angaben war im vergangenen Jahr jeder 11. Arbeitnehmer in dieser Gruppe ein Zweitjobber, 2003 nur jeder 23. Beschäftigte. Zur Jahresmitte 2013 gab es nach der Statistik der Bundesagentur für Arbeit insgesamt rund 7,45 Millionen Minijobs.

Ein Sprecher des Bundesarbeitsministeriums sagte auf Anfrage, die Zahl der Minijobs habe im privaten häuslichen Bereich und als zusätzliche Einnahmequelle zugenommen. Dies gelte aber nicht im gewerblichen Bereich und nur unwesentlich bei Minijobs als alleiniger Einnahmequelle. Zuletzt sei die Zahl eher konstant gewesen. Der Sprecher wies darauf hin, dass geringfügig entlohnte Beschäftigung im Nebenerwerb seit 2003 versicherungsfrei ist.

"Der Lohn aus einem Job reicht für viele ganz offensichtlich nicht zum Leben", sagte Pothmer. Wenn Menschen auf einen Zweitjob angewiesen seien, um finanziell über die Runden zu kommen, dann laufe etwas schief in Deutschland. Die Bundestagsabgeordnete forderte, den geplanten Mindestlohn von 8,50 Euro auch auf Minijobs auszudehnen. "Eine Ausnahme würde die Schwächsten treffen, die den gesetzlichen Schutz vor Lohndumping am nötigsten haben."

Einen Grund für gesetzgeberisches Handeln sieht das Ministerium aktuell nicht. Gründe für einen Minijob als Zweiterwerb gebe es viele. So sei er wegen der geringeren Abzüge attraktiver als Überstunden im Erstjob. Daneben gebe es jene, die auf Hinzuverdienst angewiesen seien oder jene, die in Teilzeit arbeiten und vergeblich eine Vollzeitstelle suchen. Das Sparen auf eine größere Anschaffung könne ebenfalls Grund für einen Zweitjob sein.