Moskau/Brüssel (dpa) l Im ukrainischen Machtkampf hat eine US-Spitzendiplomatin mit der Beleidigung "Fuck the EU" ein Schlaglicht auf das schwierige Verhältnis zwischen den Vermittlern USA und EU geworfen. Zwar reagierte die Europäische Union demonstrativ gelassen auf die Äußerungen von Victoria Nuland in einem abgehörten Telefonat. Für Bundeskanzlerin Angela Merkel seien die Bemerkungen aber "absolut unakzeptabel", sagte Vize-Regierungssprecherin Christiane Wirtz am Freitag in Berlin.

Die USA beschuldigten Russland, hinter der Veröffentlichung des Mitschnitts im Internet zu stehen. Das Außenministerium in Moskau wollte sich auf Anfrage nicht zu den Vorwürfen äußern.

Zugleich bemühte sich Washington um Schadensbegrenzung. Die im US-Außenministerium für Europafragen zuständige Abteilungsleiterin Nuland entschuldigte sich bei ihren europäischen Partnern. Wirtz sagte: "Es hat jedenfalls einen Kontakt ins Kanzleramt gegeben." Nuland selbst verweigerte am Freitag in Kiew jeden Kommentar. "Das war eine private, diplomatische Unterhaltung", sagte sie über ihr mitgeschnittenes Telefonat mit dem US-Botschafter in der Ukraine, Geoffrey Pyatt.

In dem Gespräch hatte die Top-Diplomatin auch betont, sie halte den von EU-Ländern geförderten ukrainischen Oppositionspolitiker Vitali Klitschko für nicht regierungstauglich. Klitschko bezeichnete in der "Bild"-Zeitung die Veröffentlichung des Telefonats als Provokation und als Falle.

Die ukrainische Opposition demonstriert seit mehr als zwei Monaten gegen die Führung um Präsident Viktor Janukowitsch. Sie fordert Neuwahlen sowie eine Verfassung, die dem Parlament und der Regierung weitaus mehr Vollmachten einräumt. Bei den Protesten wurden mindestens vier Menschen getötet und Hunderte verletzt. Auslöser der Demonstrationen war, dass Janukowitsch Ende November auf Druck Russlands ein Partnerschaftsabkommen mit der EU verweigert hatte.

EU und USA wollen in der Krise vermitteln. Im Gespräch ist eine Übergangsregierung, etwa unter dem Oppositionspolitiker Arseni Jazenjuk. Darüber redeten Nuland und Pyatt, als die Diplomatin sagte: "Fuck the EU." Eigentlich ist das "F-Wort" in den USA ein Tabu.

Die USA warfen Russland mit scharfen Worten vor, den Mitschnitt lanciert zu haben. "Dies ist ein neuer Tiefstand der russischen Spionagetaktik", sagte Außenamtssprecherin Jen Psaki. Die Beziehungen zwischen Moskau und Washington gelten als belastet, etwa wegen des vorläufigen Asyls für den ehemaligen Geheimdienstmitarbeiter Edward Snowden in Russland. Zudem hatte der Kreml scharf kritisiert, der Westen mische sich in innere Angelegenheiten im "Bruderstaat" Ukraine ein. Auch der Sprecher von US-Präsident Barack Obama, Jay Carney, deutete auf Moskau als Urheber. Meinung