Berlin - Prominente Köpfe der deutschen Islamisten-Szene ziehen nach Experteneinschätzung unaufhaltsam Anhänger nach Syrien.

Führende Akteure der Szene - vor allem rund um die verbotene salafistische Vereinigung "Millatu Ibrahim" - hätten große Anziehungskraft gerade auf junge Männer, sagte der Experte für internationalen Terrorismus, Guido Steinberg, der Nachrichtenagentur dpa. "Es hat viel mit deren Präsenz zu tun, dass der Zustrom nach Syrien so zugenommen hat."

Mehr als 270 Islamisten sind bislang aus Deutschland Richtung Syrien ausgereist. Die Zahlen sind in den vergangenen Monaten deutlich gestiegen. Steinberg sagte, ein Grund für die Entwicklung sei, dass Syrien so gut zu erreichen sei. "Es hat nie ein Konfliktgebiet gegeben in den vergangenen 20 oder 30 Jahren, in das man als deutscher Islamist so einfach reisen konnte wie nach Syrien", betonte der Fachmann der Stiftung Wissenschaft und Politik. "Ein Deutscher kann mit einem Personalausweis in die Türkei reisen." Dort gebe es Verbindungsleute, die beim Weg über die Grenze nach Syrien helfen.

Außerdem gebe es gut organisierte Strukturen in Deutschland, die bei den Reisen unterstützten - und Rückkehrer wieder auffingen. "Da liegt die neue Gefahr", warnte er. "Die gesamte dschihadistische Szene in Deutschland ist heute sehr viel größer, sehr viel weiterentwickelter, sehr viel strukturierter als noch vor wenigen Jahren."