Dresden - Am Vorabend des Jahrestages der Zerstörung Dresdens im Zweiten Weltkrieg haben mehr als 1000 Menschen gegen den Missbrauch des Gedenkens durch Neonazis demonstriert.

Ihr Protest richtete sich gegen einen Aufzug von mehr als 350 Rechten, die unter Polizeischutz und mit Fackeln vom Theaterplatz vor der Semperoper durch die Altstadt zum Rathaus ziehen konnten. Die Demonstration war ordnungsgemäß angemeldet worden. Die Polizei, die mit einem Großaufgebot im Einsatz war, berichtete zunächst von keinerlei Zwischenfällen.

Mit Sitzblockaden, Nazis-raus-Rufen und Trillerpfeifen versuchten einzelne Demonstranten, die Neonazis entlang der Wegstrecke aufzuhalten. Polizisten trugen die Blockierer weg.

Zu den Protesten gegen die Neonazi-Demo hatten unter anderem Gewerkschaften, die evangelische Kirche und der Ausländerrat der Stadt aufgerufen. Auch Dresdens Oberbürgermeisterin Helma Orosz (CDU) forderte die Bürger auf, ein klares Bekenntnis gegen Gewalt und Hass abzugeben.

Die Rechten-Demonstration fiel größer aus als von vielen erwartet. Der Veranstalter hatte lediglich 80 bis 100 Teilnehmer angemeldet. Ein größerer Aufmarsch war erst für den Jahrestag der Zerstörung der Stadt an diesem Donnerstag erwartet worden. Diese Kundgebung darf jedoch nicht vor der Frauenkirche, sondern nur in der Nähe des Hauptbahnhofes abgehalten werden.

Dresden war am 13. und 14. Februar 1945 bei Angriffen britischer und amerikanischer Bomber schwer zerstört worden. Bei den Bombardements starben nach neuen Erkenntnissen bis zu 25 000 Menschen. Die Innenstadt wurde bei einem Feuersturm in Schutt und Asche gelegt.

Etwa 3000 Beamte aus ganz Deutschland sollen an diesem Donnerstag in Dresden Zusammenstöße zwischen Neonazis und Gegendemonstranten verhindern und ein friedliches Gedenken ermöglichen.