Magdeburg | Es ist auf den Tag genau zwei Jahre her, dass sich der damalige Bundespräsident Christian Wulff aus seinem Amt verabschiedet hat. Zugegeben, der Rücktritt ist nicht ganz so freiwillig erfolgt, wie sich ein Politiker das vorstellt. Aber mal ehrlich: Wann treten Politiker schon freiwillig zurück, wenn sie weder etwas zu verbergen oder ausgefressen haben?

Und nur, weil man hier und da mal ein paar Vorteile aus seiner Position zieht (über einen günstigen Kredit würde sich schließlich jeder freuen), und sich ab und zu mal etwas schenken lässt (bei Freunden übernachten macht schließlich jeder Normalbürger auch, ohne dafür zu bezahlen), sei man ja kein schlechter Repräsentant seines Landes, fand Wulff.

Der Trend zum Verb


Als einer der wenigen geläuterten Politiker hat Christian Wullf aber etwas hinterlassen. Nein, kein großes Erbe, aber ein neues Wort: "wulffen". Und weil Christian Wulff der erste Mann im Staate war, werden dem Verb sogar gleich zwei Bedeutungen beigemessen:


  1. Das Vollreden eine Anrufbeantworters
  2. Auch wenn man ein Lügner ist, möchte man öffentlich nicht als solcher denunziert werden.

Die Schöpfung des Wortes habe sich direkt nach seinem Fernsehinterview im Januar 2011 ausgebreitet und sich bis heute gehalten. Neu seien Wortkreationen dieser Art aber nicht, erklärt der Sprecher des Vereins Deutsche Sprache, Holger Klatte. Dass man aus den Nachnamen bekannter Persönlichkeiten Verben formuliere, habe schon fast Tradition. "\'Röntgen\' oder \'morsen\' sind mindestens schon 100 Jahre alt", so Klatte.

Doch "wullfen" ist neu. Zwar hat Christian Wulff krampfhaft um sein Amt als Bundespräsident gekämpft, allerdings wenig erfolgreich. Forderungen nach seinem Rücktritt wurden immer lauter. Und Wulff wurde es auch, vor allem auf dem Anrufbeantworter von "Bild"-Chefredakteuer Kai Diekmann. Da wurde er im Dezember 2011 sogar ziemlich laut und frech noch dazu: Falls eine Geschichte von ihm und seinen kleinen Geheimnissen erscheine, werde er einen Krieg gegen die Medien führen, den die Welt, sorry, die "Bild" noch nicht erlebt hat (wulffen, Version 1: einen Anrufbeantworter vollsprechen).

In der Öffentlichkeit gewulfft


Doch der Krieg war schon verloren, bevor er überhaupt begonnen hatte. Am 17. Februar 2012 trat Bundespräsident Christian Wulff zurück. Nicht aus Überzeugung, denn er hielt sich für unschuldig, ebenso wie seine Kollegen Karl-Theodor zu Guttenberg (CDU, Plagiats-Affäre), Silvana Koch-Mehrin (FDP, Plagiats-Affäre) oder Alice Schwarzer (Steuer-Affäre). (Achtung: Hier "wulffen" in Version 2: leugnen, dass man ein Lügner ist).

Seit einigen Jahren gibt es in Deutschland immer wieder Verben, die von Politikernamen abgeleitet und für diese meist wenig schmeichelhaft sind. Die meisten Wörter hätten nicht lange Bestand, erzählt Holger Klatte. Doch einige gehen vielleicht sogar in die Geschichtsbücher ein. So wie diese Persönlichkeiten in unserer Bildergalerie.

Wulffen, merkeln, alicen

Magdeburg (ta) | Haben Sie heute schon gewulfft, gemerkelt oder vielleicht gewaigelt? Was das ist? Ganz einfach: Wenn berühmte Persönlichkeiten etwas Herausragendes getan oder nicht getan haben, werden ihre Nachnamen gerne in Verben abgewandelt.

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