Berlin - Eine Mehrheit der Bürger hält nach einer Umfrage in der Edathy-Affäre einen Rücktritt von SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann für angemessen. Das sagen 53 Prozent der Befragten im neuen ZDF-"Politbarometer".

37 Prozent meinen dagegen, er könne im Amt bleiben. Oppermann war in der Affäre durch einen umstrittenen Anruf beim Bundeskriminalamt unter Druck geraten.

Unter den eigenen SPD-Anhängern sind 33 Prozent für seinen Abgang. Bei den CDU/CSU-Anhängern sind 63 Prozent dafür, dass der 59-Jährige Konsequenzen zieht. Bei der Linken sind es 54 Prozent und bei den Grünen-Sympathisanten 39 Prozent.

Oppermann sagte am Donnerstagabend in der ZDF-Sendung "Maybrit Illner", er habe in den vergangenen Tagen "überhaupt nicht an Rücktritt gedacht". Er habe "vielleicht nicht alles richtig gemacht in diesen schwierigen Abläufen", sei aber mit sich im Reinen.

Im Zuge der Edathy-Affäre büßt der Umfrage zufolge auch SPD-Chef Sigmar Gabriel an Sympathien ein. Er verliert unter den zehn wichtigsten Politikern am deutlichsten und kommt nur noch auf einen Wert von 0,9 nach 1,4 im Januar - rangiert aber immer noch auf Platz vier.

Unter der Affäre leidet laut Umfrage auch das Ansehen der großen Koalition. Zwar sind 63 Prozent der Befragten der Meinung, die Regierung leiste alles in allem gute Arbeit - Ende Januar waren es aber noch 74 Prozent. Das Verhältnis von CDU/CSU und SPD hat sich aus Sicht der Befragten deutlich verschlechtert: Nach 48 Prozent Anfang Januar bezeichnen es jetzt 62 Prozent als schlecht, nur 31 Prozent gehen von einem guten Klima zwischen den Regierungsparteien aus.

Wenn am nächsten Sonntag Bundestagswahl wäre, würde die CDU/CSU unverändert auf 43 Prozent kommen, die SPD auf 24 Prozent (minus 1), die Linke auf 10 Prozent (plus 1), die Grünen weiter auf 10 Prozent. FDP und AfD kämen beide unverändert auf jeweils 4 Prozent.