Kiew (dpa) l Das Parlament bestimmte am Sonntag seinen neuen Chef Alexander Turtschinow zugleich zum Übergangspräsidenten. Die Abgeordneten beschnitten die Vollmachten des Staatschefs und setzten Präsidentenwahlen für den 25. Mai an. Dann will auch die Ex-Regierungschefin Timoschenko kandidieren.

Janukowitsch lehnte einen Rücktritt ab. Der prorussische Politiker sprach von einem "Staatsumsturz" und "gesetzeswidrigen" Parlamentsbeschlüssen. Sein Aufenthaltsort war unbekannt. Tausende Schaulustige inspizierten seine Residenz bei Kiew.

"Die Diktatur ist gestürzt", verkündete die 53-jährige Timoschenko nach ihrer Freilassung. Sie reiste sofort nach Kiew. Bundeskanzlerin Angela Merkel gratulierte Timoschenko in einem Telefonat zu ihrer Freilassung. Die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton mahnte maßvolles Handeln der neuen Machthaber an. Auch Russland distanzierte sich von seinem bisherigen Partner.

Barrikadenkämpfer kontrollierten das Regierungsviertel in Kiew. Der kommissarische Innenminister Arsen Awakow teilte mit, 64 bei Protesten festgenommene Regierungsgegner seien auf freien Fuß gesetzt worden. Bei blutigen Straßenkämpfen waren seit Dienstag mindestens 82 Menschen auch durch Scharfschützen getötet worden.

Erst am Freitag hatten sich Janukowitsch und die Oppositionsführer um Vitali Klitschko auch unter Vermittlung von Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier auf einen Kompromiss geeinigt. Janukowitsch sagte dabei Neuwahlen spätestens im Dezember zu. Dies sorgte für Empörung bei Regierungsgegnern, die den 63-Jährigen persönlich für die tödlichen Schüsse auf Demonstranten verantwortlich machen. Noch in der Nacht zum Sonnabend besetzten sie das Regierungsviertel.