München - Das Oberlandesgericht München hat sich am Dienstag im NSU-Prozess erneut mit der Herkunft der Tatwaffe befasst. Ein Polizeibeamter aus Thüringen wurde befragt, der bei der Durchsuchung des Jenaer Szeneladens "Madley" dabei war.

Dort hatte der Angeklagte Carsten S. nach eigener Aussage im Auftrag des Angeklagten Ralf Wohlleben die Waffe besorgt, mit der Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos neun ihrer zehn Opfer getötet haben sollen.

Der Beamte berichtete von der Vernehmung des "Madley"-Mitarbeiters Andreas S., der die Aussage im Prozess verweigert hatte. Er zitierte aus dessen Angaben bei der polizeilichen Vernehmung. "Ich habe dem die Scheiß-Knarre besorgt", habe der Mitarbeiter nach anfänglicher Weigerung gesagt. Wohlleben habe den Auftrag gegeben, 2500 Euro habe Carsten S. dafür bezahlt. Die Waffe sei dann in ein Handtuch gewickelt und in einem Auto übergeben worden.

Es habe sich bei der Bestellung ausdrücklich um eine "scharfe Waffe" gehandelt "und keine Spielzeugwaffe", zitierte der Polizist den "Madley"-Mitarbeiter.

Zuvor hatten die Wohnmobile der Terrorzelle NSU das Gericht beschäftigt. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass Böhnhardt bei einer Chemnitzer Firma unter anderem das Wohnmobil mietete, das er und Mundlos zum Zeitpunkt des Mordes an der Polizistin Michèle Kiesewetter in Heilbronn bewohnten. Dabei soll Böhnhardt die Identität des Angeklagten Holger G. genutzt haben, der als mutmaßlicher NSU-Unterstützer zusammen mit Beate Zschäpe in München auf der Anklagebank sitzt.

Die Inhaberin eines Chemnitzer Wohnmobilverleihs erinnerte sich an einen "völlig unauffälligen, schüchternen jungen Mann" und sagte: "Wir hätten nie vermutet, dass der Mann so einen Hintergrund hat." Sie verwahrte sich außerdem gegen den Verdacht, ihr Sohn, der sich zum Tatzeitpunkt ebenfalls in Heilbronn aufhielt, habe mit der Terrorzelle in Kontakt gestanden. Der Aufenthalt sei reiner Zufall, ihr Sohn sei auf einer Dienstreise gewesen.

Die mutmaßlichen NSU-Terroristen Böhnhardt und Mundlos waren zuletzt in einem Wohnmobil unterwegs gewesen. Sie brachten sich im November 2011 um, das Wohnmobil brannte damals aus. Ihre mutmaßliche Komplizin Zschäpe steht jetzt als Hauptangeklagte im NSU-Prozess vor Gericht. Die Neonazi-Gruppe "Nationalsozialistischer Untergrund" soll bis 2007 zehn Menschen ermordet haben - neun Zuwanderer und eine Polizistin.