Erfurt l Demokratie ist schon eine feine Sache. Vor allem das mit den freien Wahlen. Dabei gilt es allerdings zu beachten, dass jeder weiß, worüber er abstimmt.

An der Erfurter Uni ist das neulich irgendwie schiefgegangen. Bei einer Wahl haben die Studenten versehentlich ihr Semesterticket abgeschafft. Und das kam so: Die Verkehrsbetriebe wollten den Preis fürs Straßenbahnfahren anziehen. 2,83 Euro mehr sollte das Ticket ab April kosten. Umgerechnet in die gängige Studentenwährung namens Bier ist das mindestens ein kleines.

Mit solch Verlust ist nicht zu spaßen. Also lud der Stura zur Urabstimmung ein und druckte Stimmzettel mit folgender Frage: "Stimmst du einer Erhöhung des Evag-Semestertickets um 2,86 Euro auf einen Gesamtbetrag von auf dann 78,30 Euro zu?" 55 Prozent machten ihr Kreuz bei "Nein". Logisch. Das ist ja, als würde man fragen: "Stimmst du Vorlesungen um 6 Uhr morgens zu?" Blöderweise wussten aber viele nicht, dass sie so gleichzeitig gegen das Ticket stimmten. Das stand nur im Kleingedruckten.

Mal eben rückgängig machen ließ sich die Wahl nicht. Doch die Angst der Studenten vor dem Umstieg aufs Rad beflügelte ihren Ehrgeiz - schließlich liegt die Uni an einer steilen Straße. Mit einer Petition sammelten sie tausende Unterschriften und erzwangen so eine neue Urabstimmung. Auf den letzten Drücker konnte das Ticket gerettet werden.

Damit so was nicht noch mal passiert, sei dem Stura eine weitere Urabstimmung ans Herz gelegt. Frage: "Stimmst du für eine Mindestschriftgröße auf Stimmzetteln?"