Agra l An einer Polizeischule würde er kläglich versagen. Er kann keine Waffe halten, ist viel zu auffällig für verdeckte Ermittlungen, und bei Zeugenvernehmungen würde er zigmal dieselbe Frage stellen. Die Rede ist von einem indischen Papagei - nennen wir ihn Hercule, in Anlehnung an Agatha Christie. Denn obwohl er ein Vogel ist, hat er einen Mordfall gelöst. Opfer war eine nahe Angehörige: sein Frauchen. Die 45-jährige Neelam Sharma war in ihrer Wohnung in Agra erstochen worden. Auch ihr Hund musste dran glauben. Die Polizei tappte im Dunkeln. Doch dann brachte sich Hercule in die Ermittlungen ein. Als Zeuge des Verbrechens wusste er: Der Mörder ist nicht etwa der Gärtner. Nein, es ist Neffe Ashutosh.

Da Hercules Vokabular das Themenfeld Verwandtschaft nicht abdeckt, machte er seine Zeugenaussage auf eine andere Art: Immer, wenn Ashutosh zu Besuch war, fing der schlaue Vogel an, sich seltsam zu benehmen. Das schwört zumindest Neelams Ehemann. Er schrie sogar immer laut los, wenn in Gesprächen der Name des Neffen fiel, berichtet der Witwer. Die Polizei ging dem tierischen Tipp nach und machte den Mörder dingfest. Der hat inzwischen gestanden. Sein Motiv: Er hatte Angst, dass seine Tante ihn verpfeift, weil er ihre Wohnung ausrauben wollte.

Wenn Hercule schon kein Polizist werden kann, dann sollte ihn das Fernsehen wenigstens zum Krimi-Star machen. So wie Kommissar Rex. Ein Serientitel ist schnell gefunden: "Hercule und seine Mörder" zum Beispiel, oder "CSI Ara".